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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Endgiltiger Sieg der Undulcttivnslehre.

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Strahl zerlegt, und diese beiden Strahlen sind entgegengesetzt pola-risiert. Die Balsamschicht lenkt den normalen Strahl so voll-ständig ab, daß er nicht in das Ange gelangt, und es wird ersterervollständig ausgeschaltet. Durch Drehung desNicol", wie diegewöhnliche Ausdrucksweise lautet, vermag man also alle Über-gänge zwischen voller Helligkeit und absoluter Dunkelheit wechselndherzustellen.

Die Aufnahme der Undulationstheorie vollzog sich nicht ganzleicht und mühelos, sondern es hatte dieselbe, wie es ja nicht leichteiner Neuerung erspart bleibt, mit mancherlei Mißverständnissenzu kämpfen. Davy nnd der geistvolle Kritiker H. Brougham(17781868) konnten sich, bei aller Achtung vor Nonng, mitdessen Ideen nicht befreunden, und sogar Brewster zählte ur-sprünglich zn deu Gegnern. Allein die überraschende Art, wie dieeinzelnen Hypothesen unter sich stimmten und auch neu hinzu-kommende Erfahrungen sofort richtig zu interpretieren erlaubten,versöhnte einen Widersacher nach dem anderen, darunter auch diestrengen Mathematiker des Laplaceschen Kreises, welche anFresnels keckem Operieren mit imaginären Größen Anstoßgenommen hatten. Zwischen den beiden Freunden Biot undArago spielte sich manche Kontroverse ab, aber dem letzteren ver-blieb die Oberhand. Brewsters Entdeckung, daß gepreßtes Glasseinen Krystallcharakter ändere nnd die Isotropie verliere, wardvon Fresnel aus seinen Prinzipien heraus kausal bestätigt; dieFarbeuerscheinnngen des Quarzes wurden auf eine kreisförmige,beziehungsweise elliptische Polarisation zurückgeführt; dieungewöhnliche Reflexion des Lichtes von Metallen erwies sich nachBrewster und Airy ebenfalls als eine besondere Art des Pola-risntionsprozesses. An dieser Stelle griff, nachdem sich bis dahinsein Vaterland sehr neutral im Kampfe der durch die optischenEntdeckungen erregten Geister verhalten hatte, auch ein Deutscherlebhaft ein, der als Krystallograph uns wohl bekannte Fr. Neu-mann. Seit 1832 veröffentlichte er eine ganze Reihe einschlägigerAbhandlungen, uuter denen diejenige über die elliptische Polari-sierung durch Metalle besonderes Aufsehen erregte. Und ein andererDeutscher trat 1835 mit einer Theorie der farbigeu Beugungs -