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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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170 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung deS Encrgicprinzipcs.

bilder hervor, die allseitig als abschließend anerkannt wurde.Schwerd in Speicr, anch als Geodät ausgezeichnet, entwickelte beider analytischen Darstellung der Phasen des durch Gitter gebeugtenLichtes ein hohes mathematisches Geschick, aber ebenso bewährte ersich als ein mit den einfachsten Mitteln zum Ziele strebender Er-forscher der Natur; eine Vogclseder, ciu blinkender Metallknopfgewährte die Möglichkeit, die schönsten Farbenbilder zu erzeugen.Man darf es ungescheut aussprechen, daß Schwerds Werk ganzbeträchtlich dazu beigetragen hat, Vorurteile gegen die Undulations-theorie des Lichtes aus dem Wege zu räumen und dieser namentlichauch die Ausnahme in die didaktische Litteratur zu sichern. Dochdarf nicht außer acht gelassen werden, daß schon Frannhofer indieser Richtung kräftig vorgearbeitet hatte. Wir haben seinerUntersuchung deS Spektrums eiuen Platz in dem der Astronomiegewidmeten Abschnitte eingeräumt, weil diese Wissenschaft später sogroßen Nutzen daraus ziehen sollte, aber hier ist hervorzuheben,daß der geniale Optiker auch die sogenannten Beugungsspektrenerforschte, indem er das Licht durch eiu Maschennetz feinster Linienhindurchgehen ließ, welche aus einer geschwärzten Glasplatte ein-geritzt waren (Rnßgitter). Gerade diese Versuche machten Frann-hofer znm überzeugten Anhänger der Vibrationstheorie, denn ererfaßte jetzt anch die bisher unerreichbar scheinende Möglichkeit,Lichtwellenlängen direkt zu mcsseu. Indem er dies that, ver-mochte er den Satz zn beweisen, daß die wenigst brechbaren Licht-strahlen langwellig sind und um so kurzwelliger werden, je mehrdie Ablenkung zunimmt. Der ganz plausible Gedanke Babinets(17941872), eine bestimmte Wellenlänge des Sonnenspektrumszur normalen Maßeinheit zn erheben, hat eine praktische An-wendung nicht gefunden.

Frannhofer trug die von ihm gefundenen Wahrheiten derBeuguugstheorie auch in ein ganz neues Gebiet, in die meteoro-logische Optik, hinein und leitete die sogenannten kleinen Höfe,Lichtringe, welche hie und da die Heller leuchtenden Himmelskörperumgeben, aus dem Umstände ab, daß die von dort kommendenLichtstrahlen durch ciue dnustförmige Masse in der Atmosphärehindurchgeheu müssen. Es sei gerade so, sagte er zutreffend, wie