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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
175
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Photographie; Geschwindigkeit der Lichtfortpflanzung. 175

gleichzeitig entdeckte W. H. F. Talbot (18001877), der seineBilder selbst zuerst als Photogenische und hierauf als Photo-graphische bezeichnete, während seine britischen Landsleute nochlange von Talbotypie sprachen, einen chemischen Stoff, der einebequemere Abbildung auf Papier ermöglichte; letzteres wurde mitChlorsilber und salpetersaurem Silberoxyd getränkt, und indemLicht darauf fiel, entstand ein weißes Bild auf schwarzem Grunde,ein Negativ, welches fixiert und, mit gleich zugerichtetem Papierebedeckt, wiederum der Insolation ausgesetzt wnrde. Was zuvorschwarz war, wurde nnn hell, und umgekehrt, so daß man jetzt einPositiv bild bekam. Eiu ungemein großer Fortschritt war auchdarin gelegen, daß man das Negativ mehrmals benutzen konnte;die Photographie ging damit, nachdem sie bislang nur eine Physi-kalische Kuriosität gewesen war, in die Reihe der reproduzierendenKünste über. Zumal als noch 1851 von Fry und Archer mitbestem Erfolge das Kollodium, eine alkoholische Lösnng derSchießbaumwolle, mit den verschiedenen Salzen imprägniert undals Überzug der lichtempfindlichen Platte verwendet wurde, konntesich die Kunst, Lichtbilder anzufertigen, zn jeuem großartigenSiegeszuge anschicken, dessen Zengen wir alle geworden sind.

Die Geschwindigkeit, mit welcher sich das Licht fortpflanzt,war zuerst von O. Roemer gegen Ende des 17. Jahrhundertsmit schon ziemlich großer Schärfe bestimmt worden, indem derselbedie Zeiten verglich, um welche sich, je nach der Stellung der Erdezu diesem Planeten, die Eintritts der Trabanten des Jupiter indessen Schatten gegen die vornnsberechneten Termine verfrühtenoder verspäteten. Man war überzeugt, daß diese Größe nur durchBeobachtnngen im Weltraume zu ermitteln sei, weil terrestischeEntfernungen einer so ungeheuren Schnelligkeit gegenüber doch alsgar zu winzig angesehen werden müßten; Delambre fand aus1000 Verfinsterungen des ersten Jupitermoudes 493 Sekunden,W. v. Strnve (1843) aus den Aberrationserscheinungen 498Sekunden als die Zeit, welche das Licht zur Zurückleguug desWeges von der Sonne zur Erde bedarf. Erst 1838 dachte Aragodaran, mit Hilfe eines rotierenden Spiegels die Fortpflauzungs-konstante direkt, ohne Befragung des Himmels, zu bestimmen, und