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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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176
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176 VIII. Die Physik im Zeitalter vvr Entdeckung des Energieprinzipes.

Foucnult führte 1850 gelungene Versuche in diesem Sinnewirklich aus, indem er etwas zu klein einen Wert von40 345 geogr. Meilen fand. Noch näher kamen die ein Jahr vor-her von H. Fizeau (geb. 1819) angestellten Messungen demastronomischen Resultate. Ein von einem Planspiegel reflektierterLichtstrahl ging durch die Lücke eines mit seiner Ebene auf derStrahlenrichtung senkrecht stehenden Zahnrades nach einem zweitenPlanspiegel, der in der Distanz mehrerer Kilometer gleichfallssenkrecht aufgestellt war, so daß der zweimal und der einmal ge-spiegelte Strahl vollständig zusammensielen und im Auge desBeobachters den Eindruck eines Lichtpunktes erzeugten. Dieserblieb auch eine Zeitlang sichtbar, nachdem man das Rad in immerrascher werdende Umdrehung versetzt hatte; dann aber verschwander, weil jetzt der rückkehrende Strahl auf eineu Zahn statt,wie vordem, auf eine Lücke getroffen war. Da man die vomLichte dnrchmessene Entfernung, die Breite einer Zahnradvffnungund die Umdrehungsgeschwindigkeit des Rades kennt, so hat manalle Daten zur Berechnuug der gesuchten Konstante, welche FizeausUntersuchung auf 42 200 geogr. Meilen fixierte. Dieser Wertstimmt vorzüglich zu demjenigen, den man gewinnt, wenn mandie neuesten Bestimmungen der Sonnenparallaxe zu Grunde legt.Fizeau gab auch eine befriedigende Erklärung für ein vonG. G. Stokes (geb. 1819) hervorgehobenes, zwischen ihm nndseinem Cambridger Kollegen Challis eifrig diskutiertes Bedenkengegen die hergebrachte Aberrationstheorie Bradleys. Er zeigte,daß der in Gasen befindliche Lichtäther sich gegen den Bewegungs-zustand dieser Gase ganz uud gar indifferent verhält, so daß alsodas in unsere Atmosphäre eindringende Sternenlicht nur geradedie Ablenkung von seiuer normalen Bewegung erfährt, welche an-gesichts des Fortschreitens der Erde im Raume unausbleiblich ist.

Wer eine Geschichte der Naturwissenschaft im 19. Jahrhundertschreibt, kann nicht umhin, auch auf die Seitenpfade einen Blickzu werfen, auf welchen dann und waun ein vereinzelter Wanderersich bewegte. Nicht immer wird ja ein solcher Anspruch darauferheben dürfen, daß man ihn berücksichtige; wissenschaftliche Sonder-barkeiten bleiben im allgemeinen besser von einer nur die großen