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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Der kalorische Ausdehmmgskoizsfizient.

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und nicht den Äther als Träger eben dieser Schwingungenansah. Bestimmter erkannte Numford die intimen Beziehuugeuzwischen Licht und strahlender Wärme, ohne doch den ihn be-seelenden Resormideen zu allseitigerer Anerkennung verhelfen zukönnen.

Während die Theorie zunächst noch mit großen Hemmnissenzu ringen hatte, machte die Wärmelehre auf anderen Gebieten umso raschere Fortschritte. Die Thermometrie hatte die ver-schiedenen Formen der Ausdehnung nutzbar zu machen gelernt,und nachdem man für eine ganze Anzahl fester Körper die Aus-dehnungskoeffizienten genau zu ermitteln gelernt hatte, indemman unter auderen die von Laplace und Lavoisier verwendeteMethode entsprechend ausdehnte, ging man darauf aus, diese Kon-stante auch für Gase zu bestimmen. Gay-Lussac und Daltonfanden, annähernd gleichzeitig im neuen Jahrhundert, daß sämt-liche Gase sich bei gleicher Temperaturzunahme um gleich-viel ausdehnen. Der Ausdehnungskoeffizient « der Gase istsomit eine konstante Zahl, uud das Produkt aus Druck uud Volumeniu dem bekannten Ausdruck des Mariotteschen Gesetzes muß uochmit dem Faktor (1-l-«t>) multipliziert werden (t Temperatur-znnahme), um das auch den Wärmeäuderuugen Rechnung tragendeGesetz von Mariotte nnd Gay-Lnssac zu erhalten. Späterhat der letztere auch tropfbare Flüssigkeiten in diesem Sinne unter-sucht, und ihm sind 1818 zwei um die Wärmelehre hoch verdientePhysiker nachgefolgt, P. L. Dulong und A. T. Petit (1791 bis1820). Es ergab sich, daß die Ausdehnung der in diesem Aggregat-zustaude verharrenden Körper eine weit verwickelter? Sache ist,als bei den beiden anderen Zuständen, und Daltons Meinung,daß doch ein ganz bestimmtes Gesetz auch hier das Verhalten regle,hat sich nicht bewahrheitet. Es wächst zwar, wie sich von selbstversteht, die Ausdehnung mit der Temperatur, aber die ver-schiedenen Flüssigkeiten lasseu darin keine Übereinstimmung erkennen.In manchen Fällen machen sich dann noch, wie beim Wasser inder Nähe des Konzentrationsmaximums, Anomalien geltend.Die älteren Untersuchungen darüber mußten ungenau ausfallen, weilman auf die Ausdehnung des Glases keine Rücksicht genommen