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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
182
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182 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzives,

hatte, und erst nach und nach vergewisserte man sich, wie schonbemerkt, daß die größte Dichtigkeit bei -1-4° des hundertteiligenThermometers erreicht wird.

Nicht immer hat die mathematische Betrachtung physikalischerLehren die letzteren direkt gefördert, denn es ist, wie DanielBernoulli um die Mitte des 18. Jahrhunderts klar einsah, zumöfteren vorgekommen, daß man die Anwendung bloß deshalb suchte,um irgend ein neues analytisches Rüstzeug in seiner Kraft zu er-proben. Auf Fouriers?b.koris anal^ti^us äs lg. ol^alsur"(Paris 1822) trifft dies aber gewiß nicht zu, denn dieses Werk,dessen Bedeutung für die Entwicklung neuer Theorien schon srühergewürdigt wurde, hat gewisse Grundwahrheiten der Lehre von derWärmeleitung, die bisher mißbräuchlicher Auslegung sehr starkausgesetzt gewesen war, für alle Zeiten festgestellt. Wärmefort-pflanz nng kann nur erfolgen in Gemüßheit eines Temperatur-gefälles; der Wärmestrom, den sich Fourier als Träger derkalorischen Erscheinungen dachte, kann nur von einem höher tem-perierten zu einem niedriger temperierten Körper übergehen. DieWärmekapazität, die innere und äußere Leitungsfähigkeitbestimmen die Art dieser Fortpflanzung. Für diese drei Eigen-schaften wurden unzweideutige Definitionen gegeben, die einstweilengenügten, wenn sich auch die Konstanz des inneren Leitungs-vermögens nicht als eine absolute bewährt hat. Auch der Aus-strahlungsprozeß, den man zwar kannte, unter dem man sichjedoch nichts völlig Konkretes vorgestellt hatte, wnrde geklärt.Eine neue Versuchsreihe der beiden enge verbundenen FrenndeDulong und Petit gab auch die ersten Anhaltspunkte zur nume-rischen Bewertung dieses Prozesses, den Newton durch sein Er-kaltungsgesetz nur sehr näheruugswcise darznstellen gelehrt hatte.Aber damit war die Bedentung dieser Experimente nicht erschöpft,denn es ließ sich aus ihnen noch eine weitere, für die physikalischeChemie höchst fruchtbare Schlußsolgeruug ziehen: Das Produktaus der spezifischen Wärme (Wärmekapazität) und demMolekulargewichte eines Stosses ist konstant. Diese That-sache wurde von Fr. Neumann und von Negnault bestätigtund diente insbesondere auch dazu, eine andere chemisch-physikalische