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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Gesetz von Avogadro .

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Elementarwahrheit, in deren Besitze man sich bereits befand, ineinem ganz nenen Lichte erscheinen zu lassen.

Schon 1811 nämlich hatte Graf Amedeo Avogadro (1776bis 1356) eine molekulartheoretische Spekulation, die aber aufgesunder experimentaler Grundlage beruhte, bekannt gemacht.Er dachte sich die gasförmigen Körper aus Molekülen zusammen-gesetzt, deren Anordnung er für eine Funktion sowohl des Druckesals auch der Temperatur erklärte; wenn also zwei Gasvoluminagleich waren, während sie unter gleichem Drucke und unter gleicherTemperatur standen, so blieb nur übrig, zu glauben, daß auchin einem jeden Volumen, wie auch im übrigen die Naturdes Gases oder Dampses sein möge, die gleiche Anzahlvon Molekülen enthalten sein müsse. Es war diesem Satzezu entnehmen, daß sich die Dampfdichten zweier Körper zu ein-ander wie deren Molekulargewichte verhalten. Die beiden Gesetzevon Dulong-Petit uud Avogadro aber reichen sich offensichtlichdie Hand. Auch war man jetzt in der Lage, eine Nachprüfungeintreten lassen zu können, indem Delaroche, von dessen Lebens-umständen so gut wie gar nichts sicheres verlautet, und J.E.Berard(1789 1869) im Jahre 1813 eine umfassende Tafel der spezi-fischen Wärmen verschiedener Gase der Öffentlichkeit übergebenhatten; das Institut hatte die Arbeit mit einem Preise gekrönt.Die daran geknüpfte Mutmaßung mehrerer Physiker, daß denGasen bei gleichem Volumen auch eine gleiche Wärmekapazität zu-zuschreiben sei, hat vor den eingehenden Versuchen, die Regnanlt1840 nach einem wesentlich gleichen Verfahren anstellte, nicht stand-halten können. Nur für Wasserstoff trifft sie vollinhaltlich, füreinige andere Elemente angenähert zu; man darf in ihr demgemäßein Gesetz für ideale Gase erblicken, die wir mit unseren Mittelnnicht zn erzeugen befähigt sind, denen sich aber das so ungemeiuleichte Wnsserstoffgas wenigstens in hohem Maße nähert.

Der Begriff der spezifischen Wärme schien allerdings schon inden ersten Dezennien dem eisernen Bestände der Physik einverleibtzu sein, allein es fehlte doch noch eine sehr wichtige Zusatzbestim-mung. Zunächst war nämlich der betreffende Wert für Gase er-mittelt worden, welche unter konstantem Drucke standen, sich aber