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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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184
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184 VIII. Die Physik ini Zeitalter vor Entdeckung deS Energicprinzipes.

unbehindert ausdehnen konnten. Wie aber stellte sich die Sache,wenn das Gas auf gleich bleibendem Volumen erhalten wurde?Seit Dalton war bekannt, daß bei jeder Ausdehnung eines gas-förmigen Körpers ein Wärmeverlnst zn konstatieren ist, den manauch gelegentlich benützt hatte, um niedrige Temperatnren hervor-zubringen, wogegen eine Kompression, wie dies später die bedeut-samsten Erörternngen bewirkte, mit einer Temperatursteigerungverbunden war. Gay-Lussac und I. I. Welter (17631852)traten an die Aufgabe heran, die Konstante I: numerisch festzustellen,welche das Verhältnis der spezifischen Wärme bei kon-stantem Drucke zur spezifischen Wärme bei konstantemVolumen darstellt, und Deformes (17771862) und Element,dessen nur oben zu gedenkeu hatten, verfeinerten diese Versucheuoch erheblich. Nachdem man die Größe k ungefähr gleich 1,3...gefunden hatte, sah man sich auch in den Stand gesetzt, eineSchwierigkeit zu beseitigen, die den Physikern viel Kopfzerbrechenbereitet hatte. Wir wiffen, daß Newton für die Schallgeschwin-digkeit einen Ausdruck gegeben hatte, der, ohne daß sich darin einFehler erkeuuen ließ, doch für die durch Versuche genau ansge-mittelte Schallkonstante einen zu kleinen Wert lieferte. Nnn machteLaplace darauf aufmerksam, daß Newton die Temperatur derdurchmessenen Luftschicht als unveränderlich vorausgesetzt hatte,und dies konnte doch nicht zutreffen, wenn in der Lust, wie esbei Schallimpulsen der Fall ist, Kompressionen und Dilatationenmiteinander abwechselten. Multiplizierte man aber deu nnter derWnrzel stehenden Newtonschen Ausdruck mit obigem K, so wardem wirklichen Sachverhalte Rechnung getragen, nnd indem er diesthat, gelangte Laplace auch zu einer mit den empirischen Ergeb-nissen sehr gut übereinstimmenden Zahl.

Ziemlich isoliert stehen in der neueren Wärmelehre die Unter-suchungen zweier italienischer Physiker über strahlende Wärme da.Es wurde ausgeführt, daß der ältere Herschel die thermischenLeistnngen der einzelnen Teile des Sonnenspektrnms genau geprüfthatte, uud T. I. Seebeck (17701831) ergäuzte diese Prüfungdes Spektrums dnrch eine zweite Experimentalstndie, dnrch welcheauch der nicht unbeträchtliche Einfluß der Glassorte auf die