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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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186
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186 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des EnergievrinzipeS.

Melloni wurde der Identitätsnachweis mich auf die verschiedenenFormen der Polarisation ausgedehnt. Die Doppelbrechungund Beugung behandelte hinwiederum Knoblauch. Es leuchtetan sich ein, daß diese neuen Aufschlüsse Denen wirksamsten Vor-schub leisteten, welche für die grundsätzliche Einheit von Lichtund Wärme eintraten und darin lediglich abweichende Bethäti-gungen des gleichen Schwingnngszustandes erblickten. Es war vorallem der geniale A. M. Ampere (17751836), der ein Jahrvor seinem Tode eine Abhandluug dieses Inhaltes veröffentlichte.Die damals den Chemikern geläufig gewordene Unterscheidungzwischen Atomen und Molekülen vermeinte er physikalisch in derWeise verwerten zu können, daß er das Licht mit Molekular-schwingungen, dagegen die Wärme mit Atomschwingungeninnerhalb der Moleküle in Verbindung brachte.

Es gäbe gerade aus dem weiten Gebiete der kalorischen Er-scheinungen freilich noch Vieles zu berichten, aber wir brechengleichwohl hier ab, weil wir es für ratsam erachten, alle diejenigenBestrebungen, welche einen energetischen Charakter an sichtragen, einstweilen noch unerörtert zu lassen. Gerade in dem Zeit-abschnitte, dem alles bisher beigebrachte Material angehört, bereitetsich ja die reformatorische Erkenntnis vor, daß Wärme nnd Be-weguug unzertrennliche, wechselseitig ineinander überzuführende Er-scheinungen sind. Die Gesamtheit der einschlägigen Arbeiten mußalso auch unter einem einheitlichen Gesichtspunkte zusammengefaßtwerden, uud da dies in Bälde geschehen wird, so thun wir ambesten, uns jetzt gleich den nicht minder bahnbrechenden Neuerungenauf dem Gebiete der Elektrizitätslehre zuzuwenden.

Anfänglich erging es derselben, wie es ja auch nur allzuverständlich ist, ganz ebenso wie der Lehre von der Wärme; ohnedie Hypothese einer unwägbaren uud zwar doppelten Flüssig-keit schien sich nicht auskommen zu lassen. Sowohl die Reibnngs-wie auch die Berührungselektrizität beruhigten sich bei derAnnahme, daß in den kleinsten Teilen der Körper jeweils gleicheMengen der seit Lichtenberg vergleiche die Einleitung alspositiv nnd negativ bekannten elektrischen Flüssigkeiten ingänzlich neutralem Zustande vereinigt seien. Kam dann über