188 VIII- Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzipcs.
Wasserstoff, am anderen Sauerstoff ansammelte. Diese wichtigeEntdeckung ward im Mai gemacht, schon im nächstfolgenden Augustaber von anderer Seite aufgenommen und weitergeführt. Es warjener I. W. Ritter, den wir als jugendlichen Heißsporn derNaturphilosophie im zweiten Abschnitte keuuen lernten, von demwir jedoch damals schon bemerkten, daß bei ihm in eigentümlicher,später kaum je wieder vorgekommener Weise exakte Nüchternheitund Liebe zu phautastischer Konstruktion Hand in Hand gingen.Er ergänzte den Versuch der beiden Engländer durch den experi-mentellen Nachweis, daß die gauze Wassermasse auf solche Weisein Gas verwandelt und daß, wenn man durch das so entstandeneGasgemenge eineu elektrischen Funken durchschlagen läßt, das-selbe wieder zu dem wird, was es ursprünglich war, nämlich zuWasser. Auch dehnte er die Zerlegung aus auf andere Flüssig-keiten, denen zuvor schon H.Davy und der Mediziner W. Cruik-shauk (1745—1800) eifriges Studium ihrerseits zugewandt hatten.Es war ein Glück, daß man allgemein gewöhnliches Wasser, wiees jeder Brunnen liefert, dem Volta-Strome aussetzte, denn wiewir heute wissen, würde bei absolut reinem, destilliertem Wasserkeine Zersetzung eintreten, und es ist diese lediglich ein sekundärerProzeß, während im angesäuerten Wasser die Gasentwicklung alleinin den sremden Beimengungen beginnt nnd sich dann erst auf daseigentliche Wasser überträgt.
Auch anderweite Untersuchungen über die neue Methode derElektrizitätserreguug folgten sich rasch. Voltas an sich völligzutreffende Behauptung, daß zwischen Reibungs- und Be-rührungselektrizität keinerlei prinzipieller Gegensatzbestehe, konnte von Ritter einstweilen noch mit einigem Rechtebestritten werden, wie denn auch die stärkste Batterie von Leidener Flaschen zur Zerlegung des Wassers in seine Bestandteile ganzunzulänglich erschien. Bolta selbst gab ferner sein berühmtesSpannnngsgesetz bekannt, welches feststellte, wie die einzelnenMetalle durch gegenseitige Berührung bezüglich positiv und negativelektrisch erregt werden; er erkannte, daß eine aus verschiedenenMetallen bestehende Kette keine Übertragung der Elektrizität, keinenStrom, zuwege bringen könne, und stellte seste und flüssige