Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

19V VIII. Die Physik im Zeitalter vvr Entdeckung des Energieprinzipes.

vollständiges Stillschweigen beobachtete, keine eifrigeren Pfleger alsden Deutschen Ritter und den Engländer H. Davy. Der letztereist der eigentliche Urheber der nachmals zu hohem Ansehen ge-langten Theorie, daß chemische Vorgänge an der Berührungs-fläche die Auslösung des Stromes bewirkten. Es tritt da, wo dieMetalle sich berühren, eine stärkere oder schwächere Oxydation ein;das hatte auch die im engeren Sinne Voltasche Schulebereits wahrgenommen, aber man sah darin die Folge und in derElektrizitätsentwicklung die Ursache, während Davy beide Momenteumkehrte. Die Wärmewirkungen des Stromes wurden vonRitter eingehend untersucht, und wesentlich hierbei ward er imJahre 1805 so nahe an das Fnndamentalgesetz der Strömungs-elektrizität herangeführt, daß er anscheinend nur noch einen winzigenSchritt zu thnn brauchte, um eben dieses Gesetz klar zu formulieren.Er that ihn aber nicht, und es verflossen noch 22 Jahre, ehe dieentscheidende Folgerung gezogen wurde. Die als notwendig er-kannte Vergrößerung der Platten erzielte man seit 1816 am bestendurch Anwendung des Oerstedschen Cylinderapparates, mitdessen Hilfe auch die Funkenwirknng bequemer analysiert werdenkonnte. Oersted brachte dieselbe mit der gleichfalls schon bekanntenThatsache, daß der Strom Metalldrähte znm Glühen und Ab-schmelzen bringen kann, in ursächliche Verbindung. Die Experi-mente Davys lehrten, daß Eisen unter sonst gleichen Umständenbis zu einem gewissen Maße am schnellsten erhitzt werden könne,nnd daran reihten sich andere Metalle in dieser Aufeinanderfolge:Palladium, Platin, Zinn, Zink, Gold, Blei, Kupfer, Silber. Daßman auch ohne Flüssigkeit einen elektrischen Strom hervorbringen,also Trockensäulen aufbauen könne, scheint, nach E. Hopp esErmittlungen, zuerst 1803 eiu deutscher Physiker G. B. Behrens(17751813) erkannt zu haben, indessen wurde die erste brauch-bare Säule dieser Art nicht vor 1810 hergestellt; G. Zamboni,dessen Name dem Apparate auch verblieben ist, erstellte damalseine solche, in der je 500 Scheibchen von Gold- und Silberpapiervereinigt waren. Sie gab ziemlich große Funken, verhielt sich aberchemisch indifferent. Daß letzteres nicht wirklich notwendig sei,daß vielmehr anch die Trockensänle, die ja eben nach P. Erman