Elektrodynamik; Rotationsmagnetismus.
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Auch ist er der Erfinder des astatischen Nadelpaares, einerdie Wirkung des Erdmagnetismus völlig ausschaltenden Nadel-kombination, welche 1825 Nobili dazu benutzte, das erste empfind-liche Galvanometer, den Prototyp aller seitdem in reichster Füllezur Anwendung gebrachten galvanometrischen Apparate, zusammen-zustellen. Von Ampere geht auch die erste theoretische Erklärungder elektromagnetischen Vorgänge aus. Jeder natürliche Magnetwird umflossen von unzähligen Elementarströmen, deren Ebene zurmagnetischen Achse senkrecht steht, und damit hängt zusammen, daßdie Krastwirkung bei galvanischen Stromkreisen ebenfalls rechteWinkel mit der Stromebene bildet. Diese neue Art von Kräfteneinem mathematischen Gesetze unterzuordnen, war Amperes Ab-sicht in der berühmt gewordenen Abhandlung von 1827, welchedie Elektrodynamik strenge begründen sollte. Die Kraft, mitder zwei Stromelemente aufeinander wirken, ist insofern der all-gemeinen Anziehungskraft verwandt, als sie den Längen der Elementennd den Intensitäten der Ströme direkt, dem Quadrate der dieMitten der Elemente verbindenden Strecke umgekehrt proportionalist; dann aber geht in den Kraftausdruck noch ein Zusatzglied ein,worin die Kosinus der Winkel vorkommen, durch welche die wechsel-seitige Lage der beiden Elemente im Raume bedingt ist. Die neneAuffassung fand keinen freudigen Anklang; Arago tadelte anAmpere die Neigung zu kühnen Hypothesen, und Biot verglichdie Elementarströme, um sie in der öffentlichen Meinung möglichstzu degradieren, mit den cartesianischen Wirbeln. Die Nachwelturteilte gerechter, und kein geringerer als Maxwell belegte denfranzösischen Physiker mit dem Ehrennamen eines „Newton derElektrizitätslehre".
Auch anderweite Entdeckungen häuften sich in den zwanzigerJahren. Nachdem Arago zuerst die Dämpfung erforscht hatte,welche die Schwingungen einer Magnetnadel dadurch erleiden, daßman diese über einer Metallplatte aufhängt, trat er 1825 miteiner wesentlich entgegengesetzten Erscheinung, dem Rotations-magnetismus, hervor; ließ man die Platte sich schnell um ihreAchse drehen, so wurde die vorher ruhende Nadel in diese rota-torische Bewegung mit hineingezogen. Schon vorher war durch
Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 13