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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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194 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzipes.

Seebeck die Aufmerksamkeit der Fachmänner ans die thermo-elektrischen oder thermomagnetischen Erscheinungen gelenktworden, welche besonders dann der Ergründung näher gebrachtwurden, als die Konstruktion der ersten Thermosäule ausWismuth uud Autünon gelungen war. Schon Seebeck wares nicht entgangen, daß jede Art von Temperaturände-rung stromauslvseud wirkt, aber trotzdem erregte 1834 dasPeltiersche Phänomen noch großes Aufsehen. Ein vom Wis-muth zum Antimon gehender Strom brachte Erwärmung, ein um-gekehrt gerichteter brachte Erkältung an der Verlötnngsstelle her-vor, und H. F. E. Lenz (18041865) brachte durch den Thermo-strom Wasser zum Gefrieren. Auch die messende Seite der Elektro-dynamik hatte eine wesentliche Förderung erfahren, als Pouillet,der seit 1822 auf diesem Gebiete arbeitete, die von C. G. De la Nive(17701834) sozusagen geahnte Tangentenboussole zur quan-titativen Bestimmuug auch der kleinsten Stromstärken einrichtete.Später hat er dieser auch die Sinusboussole zur Seite gestellt.Man erkennt, daß die Periode, innerhalb deren wir nns gegen-wärtig bewegen, nugemein reich an neuen und wichtigen Errungen-schaften war. Daß daneben auch Irrtümer und Übertreibungenmit unterliefen, kann in einem gährenden, bewegten Zeitraumeuicht wunder nehmen. So wollte G. Pohl in Brcslau, sonstein ganz tüchtiger Elektriker (17881849), eine Ableitung derKeplerschen Planetengesetze nach den Gesetzen der Elektrodynamikerzwiugeu nnd litt bei diesem Beginnen, wie vorauszusehen war,Schiffbruch.

Immerhin fehlte in dem neuen Lehrgebäude, welches seinesystematische innere Einrichtung etwas später, in A. C. Becanerels(17881878) großartigem, siebcnbändigenli-aits äs I'slkotricit^et äu maANötisros" (Paris 18341840) finden sollte, ein be-sonders wichtiges Stück; noch wnßte man nicht, wie jener Begriff,für den bereits die Benennung Stromstärke üblich geworden war,mit anderen meßbaren Großen, auf die man sich gleichfalls geführtgesehen hatte, innerlich zusammenhing. Hier griff der Mann ein,der, unbeschadet der Verdienste Anderer, doch recht eigentlich alsder Gesetzgeber des Galvanismns gefeiert werden muß.