Ohmsches Gesetz,
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G. S. Ohm hatte kein leichtes Leben; erst 1833 war der schonim 46. Jahre stehende Gelehrte durch Anstellung an der polytech-nischen Schule iu Nürnberg äußeren Lebenssorgen entrückt worden,und erst 1849, nur füns Jahre vor seinem Ende, hatte er ander Universität München diejenige Verwendung gesunden, die ihmvom Schicksale schon früher hätte beschieden sein müssen, wenndiese unvergleichliche Kraft zn ihrer vollen Entfaltung kommensollte. Als Lehrer an der Berliner Kriegsschule veröffentlichteOhm, mit dem wir als Molekularthevretiker und Akustiker bereitsBekanntschaft geschlossen haben, die grundlegende Schrift „Diegalvanische Kette, mathematisch bearbeitet", zu deren Ergebnissen ersich dnrch vorgängige, oft mit den allerprimitivsten Hilfsmitteln— denn andere standen ihm nicht zu Gebote — angestellte Ex-perimentaluntersuchungen den Weg gebahnt hatte. Ihn leitete dieÜberzeugung, daß der galvanische Strom das, als was ihn dieseBezeichnung nach der Ansicht Vieler nur in übertragener Sprachecharakterisierte, auch wirklich ist, und da unlängst Fourier dieGesetze der Wärmeströmung glänzend entschleiert hatte, so hielter von Anfang an die Analogie zwischen Wasser-, Wärme- undelektrischem Strome fest, die sich so vollkommen bewähren sollte.Die Geschwindigkeit des Fließens ist im ersteren Falle bestimmtdurch den Neigungswinkel, im zweiten durch den Temperaturunter-schied; als Seitenstück hierzu erkannte Ohm die Spann ungs-oder Potentialdifferenz, für welche er sich des auch in neuesterZeit noch gerne gebrauchten Namens Gefalle bediente. Diesesist der sogenannten elektromotorischen Kraft proportional;andererseits spielt aber auch der Widerstand herein, den derStrom beim Durchfließen des ihm vorgeschriebenen Weges zuüberwinden hat. Durch eine seine Eigenart kennzeichnende, glück-liche Verbindung von Reflexion, Rechnung und Versuch, für welchletzteren zuerst Hydro-, später aber Thermoketten herangezogenwurden, erreichte es der Meister, eine überaus einfache Formelaufstellen zu können, deren Sinn anch leicht in Worten wieder-zugeben ist: Die Stromstärke ist gleich der elektromotori-schen Kraft, dividiert durch die Summe der von Ele-menten uud Leituugsdrähten gebotenen Widerstände.
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