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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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200 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung deS Energieprinzipes.

wieder bessere Tage an. Wheatstone wagte es, die Dauer desEntladungsfunkens zu messen, indem er das 1834 vonPlateau erdachte und gleich nachher von S. Stampfer (1792bis 1864) für physikalische Zwecke verwertete Prinzip derstroboskopischen Scheiben anwandte. Ebenderselbe bestimmtedie Fortpflanzungskonstante der Elektrizität mittelst des rotierendenSpiegels und fand sie etwa ^/g Mal größer als diejenige desLichtes. Der Rückstand, kraft dessen eine Leidener Flasche auchdann noch Funken giebt, wenn man ihrer völligen Entladungsicher zu sein glauben dürfte, wnrde von Faraday dahin erklärt,daß von den Belegungen Elektrizität in den sogenannten Isolator,der diese Eigenschaft ja doch nie absolut vollkommen besitzt, ein-dringt und nach der Entladung zur Belegfläche zurückwandert.Überhaupt unterzog der englische Meister die überkommene Lehrevon Leitern und Nichtleitern einer gründlichen Revision und er-setzte den letzgenannten Begriff durch den des Dielektrikums,den die Folgezeit adoptiert hat. Die Art nnd Weise freilich,wie sich die Influenz, die Übertragung elektrischer Spannungohne unmittelbare Berührung, durch das Dielektrikum hindurchvollzieht, blieb zunächst noch Gegenstand der Kontroverse zwischenFaraday und Rieß. Eine Jnfluenzelektrisiermaschiuekonstruierte zuerst 1831 G. Belli (17911860). Seit 1841bildete eine neue, bisher unbekannte Manifestation der Reibungs-elektrizität das Ziel sehr ausgedehnter Untersuchungen; es war die1840 zuerst ganz gelegentlich wahrgenommene Reibung desausströmenden Wasserdampfes an der Gefäßwandung.Die Dampfelektrisiermaschine des durch seine großartigenLeistungen im Kanonengießen berühmter gewordenen IngenieursArmstrong (geb. 1810) zeichnete sich durch die Großartigkeit derihr entlockten Funkenwirkung aus; theoretisch aber lieferte sie,wie Faraday zeigte, keine neuen Aufschlüsse, da die bekanntenThatsachen der durch irgendwelche Reibung hervorgebrachten Elek-trizität zur Erklärung der Maschine und ihrer Leistungen hin-reichten.

Die vielfältigsten Bereicherungen wuchsen im zweiten Vierteldes 19. Jahrhunderts dem elektrischen Instrumentarium zu,