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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Fortschritte des elektrischen MessungswesenS.

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vornehmlich bezüglich genauerer Meßapparate. I. Dellmann(18051870) verfeinerte, um zuvörderst bei der Reibungselektrizitätzu verbleiben, die Coulombsche Drehwage, und Oersted sorgte1840 für eine stabilere Ruhelage des Stäbchens, indem er diesesmit einem schwach magnetischen Eisenstäbchen versah, an welchemerst der das Ganze tragende Faden befestigt war. Mit einemähnlichen Elektrometer bewerkstelligte Dellmann von 1842 anjene fleißigen Messungen der Schwankungen des elektrischen Luft-potentiales, in denen mit ihm E. Romershausen (17841857)seit 1846 wetteiferte. Eine aus dem Fenster des Beobachtungs-raumes ins Freie hinausragende, mit Spitzen ausgestattete Eisen-stange ermöglichte die Übertragung der elektrischen Spannung ausder Atmosphäre auf den Drehbalken. Kohlransch ersetzte denKokon- durch einen Glasfaden und brachte auch sonst noch manchverbessernde Abänderung an dem Apparate an. Wenn wir unsdann denjenigen Instrumenten zuwenden, welche für die Lehre vonder strömenden Elektrizität bestimmt waren, so brauchen wir andie bereits genannten Erfindungen Pouillets nur noch zu erinnern.W. Weber wies 1840 nach, daß mittelst der Tangentenboussoledie Stromstärke auf jenes absolute Maß zurückgeführt werden kann,welches, wie wir im geophysikalischen Abschnitte feststellten, Gaußsür die magnetischen Momente so einfach wie möglich definiert hatte.Auch von I. I. Nervander (18051848) und I. M. Gaugain(18101878) rühren besondere Konstruktionen der Tangenten-boussole her, indem namentlich der letztere nachwies, es lasse sicheine korrektere Ablesung erzielen, wenn man den Drehpunkt derZeigernadel nicht in den Mittelpunkt des Stromkreises verlegt,sondern eine gewisse Verschiebung ersterer eintreten läßt. Einerstes zuverlässiges Voltameter, bestimmt, die Stromstärke elektro-lytisch zu messen, lieferte um 1834 Faraday, uud der St. Peters-burger Physiker M H. v. Jacobi (18011874), der Bruder desberühmten Mathematikers, führte viele Messungen auf Grund derNorm ans, daß jenem Strome die Intensität 1 zuzuschreiben ist, derin der Zeiteinheit 1 edcni Knallgas ergiebt. Da Faradays Gesetzvon einem chemischen Stoffe znm anderen überzugehen gestattet,so kann man nunmehr jedes andere Maß mit dem hier in Frage