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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Elektrische Telegraphie.

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berger Professor G. W. Muncke ein zweites sür Vorlesungszweckekonstruieren. Das letztere habe, so wird berichtet, ein junger Eng-länder, Munckes Zuhörer, kennen gelernt, und durch diesen wäredann Wheatstone zu weiteren Versuchen animiert worden, die inder Erfindung jenes ganz brauchbaren Nadeltelegraphen gipfelten,der seit 1837 im englischen Eisenbahnwesen seine Dienste that.Noch vorher jedoch hatten Gauß und W. Weber sich in Göttingen ein selbständiges Telegraphensystem eingerichtet, denn am 28. No-vember 1833 schrieb Gauß an Olbers, er habe durch eine 8000Fnß messende den St. Johannisturm als Zwischenpunkt benutzendeDrahtleitung seine Sternwarte mit dem physikalischen Kabinetteder Universität in Verbindung gebracht; er könne kein Hindernisabsehen, weshalb man nicht in ganz gleicher Weiseauf einenSchlag" eine Unterredung zwischen Göttingen und Hannover oderzwischen Hannover uud Bremen sollte inszenieren können. EineJnduktivnsspule lieferte den Strom für den Depeschenverkehr derbeiden berühmten Gelehrten; weiter praktische Folgen hatte die reinesoterische Einrichtung aber nicht. Mit um so größerer Energienahm K. A. v. Steinheil (18011870) der praktischen Ver-wertung des Fernsprechprinzipes sich an. Von Hause ausJurist, hatte er unter Gauß und Bessel die Astronomie lieb-gewonnen, welche er seit 1825 als Privatmann auf seinem beiMünchen gelegenen Gute betrieb. Gauß war es auch, der ihnauf die elektrische Telegraphie hinwies, und schon 1836 probierteer in dem feiner Leitung unterstellten mathematisch-physikalischenKabinette der bayerischen Akademie den ersten Schreibtelegraphen.König Ludwig I. interessierte sich lebhaft für die ueue Erfindungund veranlaßte, daß zwischen dem Laboratorium v. Steinheilseinerseits, der Residenz nnd der 3 km entfernten Sternwartev. Lamonts andererseits Leitungen hergestellt wurden. Gleichdarauf besuchte der König seinen Akademiker und verlangte, daßdieser von den zwei genannten Orten die Antwort auf gewisseFragen erhole, betreffs deren ersterer bereits eine Verabredunggetroffen hatte. Als die beiden Depeschen Prompt von dem Tele-graphen wiedergegeben wurden, brach der Fürst in die Worte aus:Danken Sie Gott, Steinheil , daß Sie nicht 300 Jahre früher

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 14