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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Das Gesetz der multiplen Proportionen.

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Quantum Wasserstoff, das im ersten Falle benötigt wurde. Eslag da ein immer wiederkehrendes Zahlenverhältnis vor, dessenKonstanz dazu auffordern mußte, nun auch bei anderen Verbin-dungen Analogieen aufzuspüren, und dies gelang bei Kohlen-oxyd und Kohlensäure; das Verhältnis 1 : 2 von vorhin sandsich auch hier vor, indem nur, während der Kohlenstoff seine Rollebeibehielt, an die Stelle des Wasserstoffes der Sauerstoff trat.Dalton hatte für eine Reihe von Spezialfüllen, die sich raschvergrößerte, das Gesetz der multiplen Proportionen ge-funden, und daß dieses eine dynamische Erklärung nicht zulasse,wohl aber selbst die Gruudlage einer rationellen Atomistik abgebeukönne, war ihm bald deutlich geworden. Wenn man sich die Materieans Atomen, d.h. aus einfachen, qualitätslosen Elementarbestand-teilen zusammengesetzt dachte, dann bot jenes Gebnndensein derchemischen Vereinigung an feste Zahlenverhältnisse kein Rätsel dar.Die Atome verschiedener Elemente schlössen sich nach eben diesenVerhältnissen ein- für allemal aneinander; das Wie? des Auf-gehens derselben in einem ganz neuartigen Körper durste vorläufigunerörtert bleibeu. Wenu Daltou die einzelnen Atome kugel-förmig voraussetzte, so war er uur zu den gesunden atomistischenGrundlehren zurückgekehrt, welche im Altertum Epikur undLucretins vertreten hatten, und die zn Anfang des 17. Jahr-hunderts Gassand irrtümlicherweise gewöhnlich Gassendigenannt in trefflicher, leider zu wenig gewürdigter Form neuhatte aufleben lassen; sehr im Gegensatze zu den gezwungenen Hypo-thesen der Folgezeit, welche die Atome mit Fühlfäden, Flimmer-haaren, Häkchen u. dergl. ausrüsteten und sich dadurch von derFundamentalregel einer einfachen Erklärung der Naturvorgängenur allzu weit entfernten.

Von Dalton stammt auch der Begriff Atomgewicht undder fast aromatischen Charakter tragende Erfahrungssatz, daß dasAtomgewicht einer Verbindung der Summe der Atomgewichte derin jene eingegangenen einfachen Körper gleich ist. Allerdingswaren seine Versuche, derartige Gewichte, auf das Atomgewicht desWasserstoffes als Einheit bezogen, numerisch auszumitteln, nochvon keinem durchschlagenden Erfolge gekrönt, und auch die chemische