Jsomene und Polymerie,
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Wasserstoff existiert, der von dem bis dahin mit dieser Substanzidentifizierten ölbildenden Gase chemisch durchaus nicht ver-schieden ist, wohl aber physikalisch, indem er, um nur eines anzu-führen, die doppelte Dichte von der jenes Gases besitzt. Ganzebenso wies nahe gleichzeitig E. D. Clarke (1769—1822) nach,daß es zwei verschiedene Gattungen von Phosphorsäure giebt,deren chemische Zusammensetzung eine übereinstimmende ist. Dieneuen Thatsachen dem Systeme anzugliedern und durch eine sinn-gerechte Nomenklatur zn charakterisieren, unternahm wiederumBerzelius , der selbst auch auf diesem Gebiete mit Erfolg gear-beitet hatte. Voll ihm rühren die seitdem zum eisernen Besitz-stände der Wissenschaft gehörenden Ausdrücke Jsomerie, Poly-merie und Metamerie (,c<choi,', Teil) her. Haben zwei Stoffedie gleiche chemische Zusammensetzung lind gleiche Atomgewichte,während im übrigen Verschiedenheit besteht, so sind dieselben isomer:was Faraday bei den Kohlenwasserstoffen festgestellt hatte, istPolymerie; Metamerie endlich tritt ein, wenn bei gleicher chemischerStruktur zu dem abweichenden physikalischeil Verhalten auch nochnilgleiches Atomgewicht hinzutritt. Endlich ist noch ein wichtigerFall auszusondern, wenn nämlich ein und derselbe Körper nichtnur in seiner Krystallgestalt— dann liegt eben Dimorphie u. s. w.vor —, sondern auch iu anderen Eigenschaften verschiedenartigauftritt. Diese Bethätigung der manchen Körpern anhaftendenProtens-Natur ist vvn Berzelius 1841 als Allotropie, wörtlich„Andersartigkeit", bezeichnet worden. Wir erwähnen gleichjetzt, in der Zeitfolge etwas voranseilend, der wichtigsten unterallen den Allotropien, mit welchen lins die Forschung nach undnach bekannt geinacht hat. Bereits 1785 hatte der Holländervan Marum, dem eine Scheiben-Elektrisiermaschine von ganz be-sonders großen Dimensionen zn Gebote stand, eine Veränderungdes Sauerstoffs konstatiert, wenn durch eine mit diesem gefüllteRöhre ein Funkeuschlag gegangen war. Ein eigentümlicher Gernch,der sich sowohl bei der galvanischen Zerlegung des Wassers, alsanch beim Ausströmen der Elektrizität aus Spitzen bemerklich macht,veranlaßte 1839 C. F. Schoenbein (1799—1868) dazu, der Ur-sache dieser ungewöhulichen Erscheinung nachzuspüren, und 1844