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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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236 IX. Die Chemie vor der Trennimg in ihre beiden Hauptbestandteile.

erschien zu Basel eine SchriftErzeugung des Ozons auf chemischemWege", deren Inhalt in dem Nachweise gipfelte, daß Sauerstoffanch dnrch Berührung mit Phosphor in jenen Znstand übergeführtwerde, für welchen der Entdecker den rasch eingebürgerten NamenOzon (Riechstoff") vorschlug. Daß Ozon und Sauerstoff allvtropzusammengehören, stand von Anfang an fest, obwohl erst späterTh. Andrews (18131885) das Wesen der obwaltenden Allo-tropie erschloß. Ein Molekül des von Schoenbein dargestelltenStoffes, dem man in der ersten Begeisterung eine meteorologisch-hygienische Wichtigkeit beimaß, die sich nachträglich als Überschätzungerweisen sollte, hat drei Atome Sauerstoff in sich aufgenommeu.

Um den inneren Znsammenhang nicht zu beeinträchtigen,mußten wir, wie erwähnt, den chronologischen Faden fallen lafsen,und so kehren wir jetzt wieder zum Beginne der zwanziger Jahrezurück, um von einer anderen, vielleicht noch einschneidenderenBereicherung der chemischen Theorie Akt zu uehmen. Berzelius hatte von je her daran festgehalten, daß sowohl seine eigenen alsauch alle die übrigen Gruudlehren, welche sich in der Spanne Zeitseit Lavvisier herausgebildet hatten, ausschließlich für die Weltdes Au organischen auf Giltigkeit Anspruch erheben konnten.Daß anch die Vorgänge in den organischen Geweben undFlüssigkeiten physikalische und chemische seien, mußte freilichzugestanden werden, aber daß eine unveränderliche Gesetzmäßigkeitauch hier platzgreife, schien ein allzu kühuer Gedanke. Noch spukteallenthalben in der Wissenschaft, sobald biologische Fragen in Be-tracht gezogen wurden, der dunkle, niemals definierte Begriff derLebenskraft; ein ganz vager Begriff, dem auch A. v. Humboldtin seiner bekanntenHören" - ErzählungDer rhodische Genius"den Zoll hoher Verehrung dargebracht hatte, freilich nur, um gleichuachher zuzugestehen, daß man damit doch eigentlichkeinen Huudaus dem Ofen ziehen" könne. Aber auch der so klar blickendeBerzelius war von der Überzeugung durchdrungen, daß die Lebens-kraft einen fundamentalen Gegensatz zwischen anorganischer undorganischer Chemie bedinge. Analysieren könne man nach denbestehenden Methoden auch die organischen Substanzen, und sowohldie Formelsprache wie anch das Proportionsgesetz ließen sich auf