248 IX. Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hauptbestandteile.
schien nur in der Weise erklärt werden zu können, daß man nebender Bildung der Kohlensäure auch noch eine Trennung vorherverbunden gewesener Atome annahm, zu deren Zerlegung, je nachder spezifischen Eigenart des Gases, ein ungleicher Wärmcaufwanderfordert wurde. Auch andere Erwägungen, die sich unter andereman die im Ozon zu Tage tretende Allotropie des Sauerstoffs an-knüpften, sprachen für die Teilbarkeit der Moleküle, deren Bestand-teile sich dann wieder anders anordnen konnten. Man mußte,wenn man diesen und anderen Thatsachen überhaupt einen Sinnabgewinnen wollte, die von Avogadro klar herausgefühlte, beiGerhardt uud Laurent unter veränderten Gesichtspunkten aufsneue durchgedrungene scharfe Begriffsscheidung zwischen Molekülund Atom zum Ausgangspunkte nehmen. Nach dieser Seite hinfiel 1849 eine Arbeit von C. A. Wnrtz (1817—1884), dem späterenverdienten Historiker der chemischen Theorien ins Gewicht, durchwelche man mit zwei dem Ammoniak ähnlichen Körpern, demMethylamin und Äthylamin, bekannt geworden war. AuchA.W.Hofmaun (1818—1892), seit 1845 an das Londoner .eollsZeok Olismist,!-^ berufen und dort bereits mit der Vorbereitung jenergroßen Arbeiten beschäftigt, welche seinem Namen einen Weltrufverschaffen sollten, hat durch den Nachweis, daß aus Ammoniakdurch einen Substitutiousakt, indem Wasserstoffatome gegen Alkohol-radikale ausgetauscht werden, die sogenannten Aminbasen ent-stehen, erheblich zur Ausgestaltung der neueren atomistischen Vor-stellungen beigetragen. Vor allem aber ist noch A. W. Williamson (geb. 1824), einer der zahlreichen Schüler Liebigs , zu nennen,der sich eingehenden Studien über die Synthese des Alkohols hin-gegeben hatte, statt dessen aber Äther erhielt. Es schien da einDilemma vorzuliegen, aus dem kein Ausweg zu ersehen war, aberdie unermüdliche Variierung der Versuche durch Williamsonführten trotzdem zu einem solchen. Liebigs Ansicht, der Alkoholsei das Hydrat, die Wasserverbindung des Äthers, wurde hinfällig,und letzterer Stoff erwies sich als ein Resultat der gegenseitigenBeeinflussung von Alkohol nnd Schwefelsäure. Das Wasser mußterücksichtlich seiuer Zusammensetzung als ein Typus anerkannt werden,nach welchem eine ganze Reihe anderer Verbindungen sich richteten;