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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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25t) IX. Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hauptbestandteile.

eingedrungen, und die Fettsäuren wurden als Sauerstoffverbindungender mit verbundenen Radikale erkannt, welch letztere ebensowohlElemente (Wasserstoff) als zusammengesetzte Körper (Äthyl) seinkonnten. Dem bereits bekannteren Kakodyl Bunsens trat alsgleichwertig das Acetyl der Essigsänre znr Seite. Das WortPaarung" empfing unter den Händen Franklands einen vondem bisher dahinter vermuteten gänzlich abweichenden Inhalt, nndes wurde nunmehr einem jeden Elemente eine für dasselbe charak-teristische Sättigungskapazität zugeschrieben. Zur höchsten Reisegediehen die ueueu Anschanuugen allerdings erst in demjenigenZeitraume, der dem, bis zu welchem sich gegenwärtiger Abschnittprogrammgemäß auszudehnen hat, unmittelbar nachfolgt.

Unsere Darlegung galt in erster Linie den chemischen Theorien,welche ja gerade in den fünfzig bis sechzig Jahren, durch die dasklassisch-sranzösische Zeitalter von der Epoche einer beginnendenSelbstündigmachnng der organischen Chemie getrennt wird, diemannigfachsten Schicksale erfuhren. War von anderweiten Be-reicherungen des Wissensstandes die Rede, so mußten dieselbendoch, so wie es bei der Entdeckung von Kalium und Natrium durchDavy der Fall war, auch auf die Priuzipienlehre ihren Einflußausüben. Die Geschichte kann sich aber der Pflicht nicht entschlagen,auch solcher Arbeiten zu gedenken, die nnr an und für sich, nichtaber gerade auch im Hinblick auf die höchsten Probleme, Interesseeinflößen, und so liegt es uns denn jetzt ob, eine Nachlese zn haltenund namentlich jene Ergebnisse der analytischen Chemie zu ver-folgen, welche für Praxis und Technik Bedeutung gewiuneu sollten.

Unter den Deutschen kann, wenn wir das Jahrzehnt vor undnach der Jahrhundertwende ins Auge fassen, wohl keiner den Ver-gleich aushalten mit Klaproth, der zuerst in unserem Vaterlandeganz offen auf die Seite Lavoisiers trat und die quantitativeAnalyse durch neue Verfahrungsweisen ausbildete. Sein Verdienstist die Auffinduug eiuer ganzen Anzahl neuer Elemente, des Urans,Titans und Cers; das Zirkonium, welches durch Eutferuuugdes Sauerstoffs aus der Zirkonerde hervorgeht, ist ebenfalls anfKlaproth zurückzuführen. Viele Angaben anderer Forscher überverschiedenartige Stoffe wurden von ihm revidiert und berichtigt.