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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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254 IX- Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hauptbestandteile.

man drang in der Technik, dasselbe aus seinen Erzen abzuscheiden,nur ganz allmählich vor. Bei solcher Gelegenheit überzeugte sichTh. Graham von der gewaltigen Absorption des Wasserstoffesdnrch Palladinm.

Einen wichtigen Mittelpunkt selbständiger Forschung bildetenauch die Verbindungen, welche Stickstoff, Phosphor, Arsen undAntimon mit Wasserstoff, Sauerstoff und gewissen Halogenen ein-gehen. Thenard und H. Rose (17951864) haben diesesArbeitsfeld besonders eifrig bebaut. Großes Aufsehen machte derArsenwasserstoff, mit dem experimentierend der wackereGehlen, dessen eigenartige Doppelstellung zwischen Naturphilo-sophie und Empirie unser zweiter Abschnitt beleuchtete, seinenallzn frühen Tod fand. Die forensische Chemie griff eifrigdas von I. Marsh (17901846), dem langjährigen MitarbeiterFarad ays, angegebene Verfahren ans, mittelst des sogenanntenArsenikspiegels auch die kleinsten Teile dieses verderblichenGistes in den Leichenteilen nachzuweisen. Salpetersäure, Unter-salpetersänre uud salpetrige Säure wurden ebenfalls in ihrer Ver-schiedenheit des näheren bestimmt; unter den auf diesem Arbeits-felde beschäftigten Chemikern ist vornehmlich H. E. Ste. Claire-Deville , der Bruder eines sehr bekannten Geologen, anzuführen.Ortho-, Pyro- uud Metaphosphorsäure wurden eiuauder ebensovon Gay-Lussac und Stromeyer gegenübergestellt. DerChlorstickstofs brachte Dulong, der seit 1816 die Darstellungverwandter Verbindungen ins Auge gefaßt hatte, zwar große An-erkennung, aber anch beinahe den Tod, denn die explosive Eigenartmancher Chemikalien konnte eben auch erst auf dem Erfahrungs-wege festgestellt werden. Den von Lampadius entdecktenSchwefelkohlenstoff prüften 1802 Element und Desormesauf seine Eigenschaften, ohne jedoch schon zu vermuten, welcheRolle diese Substanz dereinst noch zu spielen berufen sein werde.Eine sichere Methode zur quantitativen Bestimmung des Stick-stoffs wnrde 1830 von Dumas angegeben. Dem Jahre 1818verdankt das von I. N. Fuchs dargestellte Wasserglas , einefür die Erhaltung von Freskogemälden unentbehrlich gewordeneVerbindnng vou Kalium und Kieselsäure, seine Entstehung. Drei