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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Die geologische Kawstrophenlehre.

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bis 4. März 1853) hat reformatorisch auf dem weiten Felde derGeologie gewirkt, und wir haben ein gutes Recht, die Geschichtedieser Wissenschaft zunächst gerade mit dem Augenblicke, da er ausdiesem Leben schied, ihren Abschluß finden zu lassen. K. A. v. Zittel(geb. 1839), der Historiker der Geologie und zugleich eiuer ihrerersten Systematiker, bezeichnet die Periode, während deren v. Hum-boldt und v. Buch ohne Widerspruch an der Spitze stehen, alsdie heroische. Freilich bahnt sich, noch während ihre Signaturganz ungeschwächt in Kraft zn stehen scheint, ein unverkennbarerUmschwung an, in dessen Folge eine neue, mit der Grundauschauuugv. Buchs in schärfstem Widerspruche stehende Auffassung der erd-geschichtlichen Thatsachen die Herrschaft gewann. Der auch alsCharakter gewaltige Manu, der nnter schweren Gewissens-bedenken, wie man es wohl nennen darf Werner von seinemThrone gestoßen hatte, mußte noch bei Lebzeiten das Wanken desstolzen, von ihm selbst errichteten Lehrgebäudes konstatieren, obwohldie ungeheuchelte Verehrung, welche ihm von allen Fachleuten, diesachlichen Gegner nicht ausgeschlossen, gezollt ward, den Eindruck,daß v. Buch an Ansehen eingebüßt habe, durchaus nicht auf-kommen ließ. Die Gemütsart spiegelte sich, so mag Mancher deukeu,auch in den wissenschaftlichen Prinzipien wieder. Eine heroischeNatur au Geistes- und Körperkraft, liebte v. Bnch auch bei derErklärung der natürlichen Vorkommnisse die heroischen Mittel undwurde so, und zwar zugleich mit seinem etwas älteren ZeitgenossenG. L. C. F. D. v. Cuvier (17691832), der Begründer dergeologischen Katastrophenlehre, deren Vertreter von den imStilleu schaffenden Natnrgewalten gering dachten und die unleugbartief gehenden Veränderungen, welche das Antlitz der Erde im Laufeder Zeiten über sich ergehen lassen mnßte, hauptsächlich gewalt-samen Umwälzungen zuschrieben, wie dies teilweise schon das griechischeAltertum in seiner Lehre von der «7roxttrtt<7rttM(,' gethan hatte,welche bewirken sollte, daß alles Land von Wasser überdeckt undumgekehrt das Meer in Festland verwandelt werden werde. Unterden Gegnern dieser Lehre, den geologischen Qnie listen, machteschon frühzeitig Charles Lyell (14. November 1797 bis 22. Februar1875) am meisten von sich reden. Die <ÜÄUse8", die