266 X. Die Geologie auf dem Wege von L. v. Buch zu Ch. Lyell.
Wirkungen, welche alltäglich und allstündlich vor unseren Augengeschehen und an und für sich zwar nur ganz unbeträchtlich sind,durch ihre Summation im Laufe sehr langer Zeiträume aber zujeder beliebigen Größe ansteigen können, sprach Lyell als den inder Geologie eigentlich stimmführenden Faktor an, und die jüngerenGenerationen haben sich mit solcher Entschiedenheit auf seine Seitegestellt, daß man durch einzelne gewaltige Kraftäußernngen derNatur, welche seitdem in die Erscheinung getreten sind, fast über-rascht ward, indem man zugestehen mußte, daß unter Umständen dochauch jähe Durchbrechungen des in der Erdkruste obwaltenden Gleich-gewichtes von den großartigsten morphologischen Folgen begleitetsein können.
Nach Werner, dessen Aufstellungen, wie gesagt, in Deutsch-land lange keinem ernsthaften Widerspruche begegneten, zerfiel der-jenige Teil der Erdrinde, welcher der Erforschung überhaupt zu-gänglich ist, in vier große Stockwerke, die, von unten nach obengerechnet, als Urgebirge, Übergangsgebirge, Flötzgebirgeund aufgeschwemmtes Gebirge unterschieden wurden. Alle dieseSchichten hatten sich, so nahm man an, aus dem dereinst denfraglichen Teil der Erdoberflüche bedeckenden Wafser niedergeschlagen;auch Granit und Basalt befanden sich in diesem Falle, so daß fürdie vulkanischen Gesteine, in denen man Emissionsprodukteunterirdisch brennender Schwefelkies- und Kohlenlager erblickenwollte, kein großer Bereich übrig blieb. Gebiete, in denen sich dieAktion ehemaliger Vulkaue deutlich aussprach, galten als pseudo-vulkanisch: so bezeichnete L. v. Buch in seiner ersten, peinlichnach Werner zurechtgemachten Arbeit über die Umgebung Karls-bads die dort so häusigen Spuren des unterirdischen Feuers.Allein schon in Schlesien , wo ersterer als Bergreferendar um-fassendere geognostische Aufnahmen zu leiten beauftragt war,wollte» ihm die Verhältnisse, von denen er sich namentlich imGlatzer Kessel umgeben sah, nicht recht stimmen zu dem, was inseinen Kollegienheften stand, und großenteils unter der Einwirkungdieser Dissonanz faßte er den Entschluß, sich durch Reisen in fremdenLändern eine umfasseudere Kenntnis der Schichtungslehre und desGebirgsbaues anzueignen. Wir werden sehen, in wie großartigem