296 X. Die Geologie auf dem Wege von L, v. Buch zu Ch. Lyell.
bestehenden Zentralzüge in Betracht kommen, so gewaltig entwickeltist, wie eben die Trias, allein obwohl die Entstehungszeiten diegleichen sind, so hat sich doch im Aussehen und in der tierischenBewohnerschaft die alpine Trias grundverschieden von derjenigenMittel- und Norddeutschlands gestaltet. Die Jetztzeit hat auchden Grund dieser Abweichung aufgedeckt, indem festgestellt ward,daß die Triasfauua des Hochgebirges eine pclagifche, in einemtiefen Meere lebende war, wogegen anderwärts ein limnischer,auf seichtes Wasser deutender Typus zu bemerken ist. Daß manin dieses Geheimnis erst sehr allmählich eindrang und deshalb denthatsächlichen Parallelismus lange nicht erkannte, ist um so ein-leuchtender, da man ja, wie wir erfuhren, den Kalkalpen einenganz auffälligen Mangel an Versteinerungen zuschrieb. Auchv. Buch wußte, wie seine Darstellung auf der Karte von 1826ausweist, mit dem sogenannten Alpenkalk noch nicht viel anzu-fangen, und erst im Jahre nachher brachte T. Catullos (1782bis 1869) zu Verona erschienene Schrift „ZaMv äi ^ooloFiatossils äkllö xrovinois ^.ustro-Vsnstö", die sich auf Maraschinis(1774 —1826) geognostische Beschreibung der Umgegend seinesWohnortes Schiö stützte, eine Wendung; bei Recoaro im Vicen-tinischen, wo sich seither unzählige Geologen zusammengefundenhaben, stand unzweifelhaft echter Muschelkalk an. Das Jahr 1831brachte v. Buchs inhaltreichen Berliner Akademievortrag über diebayerischen Alpen mit seiner Identifizierung des Tegernseer Lias,über dessen Beziehungen zur Trias man freilich noch nicht rechtBescheid wußte, und 1334 entdeckte der gleiche unermüdliche Wan-derer die berühmte Fauna bei dem ladinischen Orte St. Kassian ,wo sich auf kleinem Areale eine ungeheure Mannigfaltigkeit vonTicrformen zusammendrängt. Darüber, daß letztere triassischseien, herrschte zwischen Bronn, v. Klipstein und dem als kun-diger Petrefaktensammler in großem Ansehen stehenden GrafenG. zu Münster (1776—1844) Übereinstimmung, aber der Ort,wohin man die St. Kassianer Schichten zu verlegen hatte, in denalpinen Muschelkalk oder in den alpinen Buntsandstein, blieb nochunaufgeklärt; ja Quenstedt plädierte sogar für Zuordnung zurKreide. Hier griff 1846 v. Hauer werkthätig eiu, dessen schöne