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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Gebirgsbildungstheorien im Sinne v. Buchs.

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ja auch wirklich in der Nähe namhafter Porphyraustritte finden;von Hause aus, so schloß er, bestanden diese Erhebungen ans ge-wöhnlichem, horizontal geschichtetem Triaskalk, und als die Jn-trnsivmassen empordraugeu, bewirkten aussteigende Magnesiadämpfedie Dolomitisierung des Kalkes, aus dem nachher der leicht zer-störbare Talk erosiv ausgeschieden wurde. Dieser Auslaugungs-prozeß hatte zur Folge, daß die Dolomite jenen bizarr zerrissenenOberflächencharakter erhielten, der ihre landschaftliche Großartigkeitbedingt. In chemischen Kreisen stieß diese Erklärung auf Wider-spruch, aber den Geologen machte sie die geistreiche Verkettungmehrerer anscheinend gegeneinander neutraler Ereignisse unter demnämlichen Gesichtspunkte annehmbar, und daher hat sie denn auchlauge das Terrain beherrscht. Für Deutschland unterschied v. Buchvier zeitlich verschiedene Hebnngsrucke, als deren Resultate sich uns,dem Alter nach geordnet, das niederländische, nordöstliche,rheinische und alpine Gebirgssystem darstellen; die durchauszutreffende Herausschülung dieser vier tektonischen Leitlinien istganz unabhängig von der Hebungstheorie selber und hat letztere alsein vorzügliches didaktisches Hilfsmittel znr Orientierung in denverwickelten Verhältnissen des deutschen Gebirgsbaues überdauert.

Neben seiuem alten FreibergerStudieugenossen, dessenKosmos"im dynamisch-geologischen Teile nirgendwo den überzeugten An-hänger v. Buchs verkennen küßt, konnte sich letzterer kaum einestreueren Gefolgsmannes rühmen, als des mit Recht hoch geachtetenfranzösischen Geologen Elie de Beaumont . Seine einschlägigenPnblikationen verbreiten sich über den langen Zeitraum von 1829bis 1858 nnd gipfeln in dem Satze, daß die Spalten, durch welchedie magmatischen Massen austreten, eine regelmäßige geometrischeAnordnung aufweisen, einem dodekaedrischen Netze auf derErdoberfläche sich anpassen. Abgesehen davon, daß in den großenterrestrischen Gebirgssystemen eine derartige Regelmäßigkeit ohneZwang nicht aufgezeigt werden kann, ist auch gegen die aus derHebungstheorie entspringende, aphoristische Konstruktion des Ge-birgsbaues mancherlei einzuwenden; es trifft nicht zu, daß dieGebirgsachse immer ans Granit u. dergl. bestehen, und daß sichauf beiden Seiten der Neigungswinkel der sedimentären Schichten