ZY8 X. Die Geologie auf dem Wege von L, v. Buch zu Ch. Lyell.
beben, während eben ein Paroxysmns des Vesuv im Gange war,und da gestand v. Buch offen, der Ausbruch sei doch wohl mitdem anderen Ereignis nicht in unmittelbare Kausalverbindung znbringen, weil das meist erschütterte, epizentrale Gebiet ziemlich weitseitab von dem Berge lag. Weitere Folgerungen wurden indessenaus dieser bemerkenswerten Wahrnehmung vorerst nicht gezogen.Man suchte die Ursachen der seismischen Erscheinungen, wofür dieim Jahre 1827 gekrönte Preisschrift von F.C.Kries (1768—1849)den deutlichsten Beleg abgiebt, an allen möglichen Orten, nur geradenicht da, wo sie in der Mehrzahl der Fälle zu suchen sein wird,nämlich in der internen Umlagerungen unterworfenen Erdkruste.Eiue sehr verdienstliche Erdbebenstatistik arbeitete 1841 A.Perrey(1808—1332) aus, und dieser ersten Veröffentlichung ist mancheandere nachgefolgt. Minder günstig war Perreys Einfluß aufdie Erdbebenkunde insofern, als er der Vater jener Ansicht ist,nach welcher die Anziehung der Himmelskörper auf dasglutflüssige Erdinnere sowohl vulkanische Eruptionen als auchErdstöße veranlassen soll — einer Irrlehre, die, von skrupelfreienHypothetikern weiter gebildet, der ernsten Forschung nachmals mit-unter geradezu hindernd in den Weg getreten ist.
Die Lehre von der Gebirgsbildung, deren einzelne TeileNaumanns treffliches Handbuch von 1850 bereits mit dem —übrigens auch in Senecas „NaturalW c^uasstiones" vorgebildeten— bezeichnenden Namen Geotektonik zusammennimmt, stand sastdurchaus unter dein Zeichen der uns aus dem Anfange dieses Ab-schnittes erinnerlichen Kataklysmenlehre. Hier trafen Huttouund v. Buch zusammen, indem sie annahmen, daß die großenKettengebirge der Erde durch den nach oben gerichteten Druck desMagmas aufgerichtet worden seien; da dieser natürlich nicht allent-halben gleichmäßig wirken konnte, so schienen sich Neigung, Ver-biegung, Faltung und Zerreißung der Schichten einfach begreifenzu lassen. Mit jeder solchen Hebung, so schloß v. Buch weiter,war eine Spaltenanfquetschung und ein Austritt magmatischerMaterie, die jetzt zur laugsam erstarreudeu Lava wurde, verbunden.Einen entscheidenden Beweis für die Richtigkeit dieser Hebungs-theorie sah er in den südtirolischen Dolomitbergen, die sich