Vulkanismus und Erdbeben.
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geschiedenen umging, wenn ihm auch dessen Ansichten über dasAuftauchen und Wiederverschwiuden der Insel „Ferdinandea" imMittelländischen Meere höchst ketzerisch vorkommen mußten. Auchfand er einen thatkräftigen Genossen in Elie de Beaumont ,der experimentell — aber irrig — die Unmöglichkeit steilererNeigungswinkel bei lose geschichteten Massen dargethan zu habenvermeinte. Er und Dufrenoy blieben bei v. Bnch stehen,während die Mehrzahl der französischen Fachmänner sich von ihmabwandte; aber in Deutschland ließ sich die Theorie der Erhebungs-krater schwerer erschüttern, nnd als deren Urheber starb, konnteer dieselbe als befestigt betrachten. Freilich hat sie die sechzigerJahre nicht überlebt. Physikalische Spekulationen über denEruptionsakt waren wenig beliebt; H. Davy und Daubenyglaubten chemische Umsetzungsakte als Triebfeder der nach oben ge-richteten Magmabewegung ansprechen zu müssen, aber viele hieltenan der aus dem 18. Jahrhundert herübergenommenen Anffassung fest,daß die Expansivkraft der durch einträufelndes Wassererzeugten Dämpfe die wahre bewegende Ursache sei.
Die Erdbeben Pflegte man, wie n. a. Hoffmanns obengenanntes Werk (sä. v. Dechen, Berlin 1837—1833) zum Aus-drucke bringt, als eine Art notwendiger Konsequenz des Spieles dervulkanischen Kräfte anzusehen. Die Hnmbvldtsche Reise hatte derVorstellung Oberwasser verschafft, daß die feuerspeienden BergeSicherheitsventile einer Gegend seien, deren Verstopfung ent-weder eine Erderschütterung oder doch zum mindesten jenes furcht-bar rollende, subterrane Geräusch zur Folge habe, das dem großenReisenden von Riobamba her bekannt war. Auch v. Buch ließnicht ab von der vulkauistischen Hypothese, und als er 1799 selbstin Schlesien einen Erdstoß fühlte, appellierte er zur Erklärungan „einen ausgetretenen Arm eines Gasstromes von dem großenMeere im südlichen Europa , dessen Quellen nie versiegen".Immerhin ist dieser kurze Aufsatz doch auch wieder der Trägereines gewissen Fortschrittes, indem sein Verfasser an die Möglich-keit, kartographisch die Stelle stärkster Erschütterung — das Epi-zentrum, wie wir heute sagen würden — festzulegen, kluge Er-örterungen knüpft. Später erlebte er in Neapel ein zweites Erd^
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