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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
328
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323 XI. Der große Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipienlehre.

der vierziger Jahre Arbeiten von zwei mit Recht geachtetenPhysikern, von G. Karsten (18201900) und von M. Gloesener(17941876), die Identität wenigstens der magnetischen und elek-trischen Kraftäußerungen behandeln. Größere Pläne verfolgteW. R. Groves bedeutendes Werk0n Lorrslatiori ok?ll/sieal?oro«zs" (London 1847), welches auch in Übersetzung den Franzosenund Deutschen zu eigen wurde; eine selbständige, von weiten Ge-sichtspunkten getragene Leistung, in der selbstredend der nochfehlende Thatbeweis mehrfach dnrch den unvollständigen Jnduktions-und Analogieschluß ersetzt werden mußte. Wir wollen GrovesGlaubensbekenntnis, wie es uns v. Schaper verdeutscht, wörtlichwiedergeben:Mein Standpunkt ist, daß die verschiedenen Thütig-keitszustände der Materie, welche den Hauptgegenstand der Physikbilden, als Wärme, Licht, Elektrizität, Magnetismus, chemischeVerwandtschaft und Bewegung, alle miteinander verwandt sind,d. h. in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander stehen, so daß keinevon ihnen, für sich allein betrachtet, als die wesentliche Ursacheder anderen betrachtet werden kann, vielmehr eine jede von ihnenjede andere hervorzurufen oder in dieselbe sich zu verwandeln ver-mag." Die wissenschaftliche Sprache konnte sich vor fünfzig Jahrennoch nicht jener Bestimmtheit und Bewegungsfähigkeit rühmen, diesie in unseren Tagen erlangt hat, und so mußte der Autor sichnoch mancher Umschreibung bedienen, die allerdings bei genaueremZuschauen seinen Gedankengang sinngerecht ausdrückt, eines Kommen-tares aber doch nicht ganz entbehren kann. Wenn Grove beispiels-weise einen ruhenden Körper als ein Kraftmagazin charakteri-sieren will, der beim freien Falle diese potentielle Energie, wiejetzt der klare Ausdruck ist, in aktuelle Energie umsetzt, so sprichter von einerAnwartschaft auf Bewegung", die jenem Körperinnewohne; schon weit früher (1644) hatte der Niederländer Deusingdie Begriffeactus-lis" undxotentialis" als zwei ausgesprocheneGegensätzlichkeiten nebeneinander gestellt. Mit den teilweise vielweiter vorgreifenden Ansichten über Kraft und Bewegung, die inDeutschland bereits ausgesprochen worden waren, war Grove, alser zuerst vor die Öffentlichkeit trat, noch nicht bekannt, und diesgereicht ihm umso weniger zum Vorwurfe, als selbst im Vaterlande