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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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334 XI- Der große Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipienlehre.

kann." Die Bewegung verschwindet mithin mir scheinbar; siesetzt sich in Wärme um, welche ja, wie schon früher geahntworden war, nichts als lebhafteste Bewegung der Korpuskeln ist.Außerordentlich durchsichtig für uns Epigonen, aber schwerlich sehrüberzeugend für einen Physiker älterer Ordnung ist folgender SatzMayers:Die Lokomotive mit ihrem Konvoi ist einem Destillier-apparate zu vergleichen; die nnter dem Kessel angebrachte Wärmegeht in Bewegung über, und diese setzt sich wieder an den Achsender Rüder als Wärme in Menge ab."

Wir erinnern uns, daß in der Einleitung Graf Rumford alsderjenige genannt wurde, der bei Bohrversuchen eine Erhitzungdes den Bohrer umschließenden Wassers wahrgenommen und fürdiese Temperaturerhöhung den Bewegungsakt selbst verantwortlichgemacht hatte. Der amerikanische Mechaniker befand sich also völligauf dem rechten, zu Mayers Entdeckung führenden Wege, wenner auch zunächst seinen Versuch nur als einen schlagenden Beweisgegen die Existenz eines Wärmestoffes, zu gunsten der bis dahinnur schüchtern angedeuteten Jmmaterialität der Wärme, ver-wertet wissen wollte. Noch im alten Jahrhundert (1799) hatteDavys schon erwähnte Schrift ,,^n Dsss,^ ori Usat, I^lit anä tksLvinvinÄtions ok liiAtit" die Experimente Rumfords erneuterErörterung unterworfen, indem zugleich jene mannigfach variiertwurden. Auch Th. Joung schloß sich dieser Identifizierung vonWärme und Bewegung an, aber obwohl also drei ganz hervor-ragende Männer in dieser Anschauung übereinstimmten, vermochtedieselbe doch keinen Boden zu gewinnen, und wir erfahren ebenjetzt, daß es Mayer nicht besser ging, als auch er den berühmten,von ihm kaum näher gekannten Vorgängern folgte.

Denselben Plan betraten mit unserem Landsmanne nahegleichzeitig auch zwei auswärtige Forscher, der Däne L. A. Colding (18151888) uud der Engländer I. P. Joule (18181889),und zwar ging der erstgenannte von Mayer wenig verschieden,der praktische Brite dagegen, dessen Vermögensumstände ihn daznin hohem Maße befähigten, mit umfassenden Versuchen vor. DieUmwandlung der Kräste war für Colding der leitende Grund-satz, nnd wenn die Kraft umwandelbar war, mußte die Wärme,