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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Kühle Aufnahme des Energiegesetzes.

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Im Jahre 1842 war Mayer so weit, seine Gedanken zueinem kleinen Aufsatze verdichtet zu habeu, den erBemerkungenüber die Kräfte der unbelebten Natur" betitelte. Derselbe hattekein Glück, denn Poggendorff, der Herausgeber der damalswie noch jetzt geachtetsten physikalischen Zeitschrist, lehnte dieAufnahme ab, weil jener keine experimentellen Belege enthalte. Manhat dem verdienstvollen Physiker seine Verkennung einer wahrhaftbedeutenden Leistung zum argen Vorwurfe gemacht und dabei überdas Ziel hinausgeschossen. Es ist ja richtig: Poggendorff hatnicht erkannt, daß man es hier mit einem providentiellen Geistezu thun habe; es kann ihm nicht nachgerühmt werden, daß er soweitsichtig gewesen sei,sx unZus leonsra" zu diagnostizieren.Allein eben dieses war nötig, wenn man aus jener frühestenNiederschrift schon die Fülle des Geistes erschließen sollte, der denVerfasser durchströmte, uud wir unsererseits möchten auf den ge-plagten, mit Material überhäuften Redakteur deshalb keinen Steinwerfen, weil er kein Hellseher war und das unscheinbare Manu-skript eines unbekannten, nicht der Gilde angehörigen Schriftstellersnicht so genau prüfte, wie es dasselbe verdient hätte. Liebig undWoehler machten den von ihrem physikalischen Kollegen begangenenFehler dadurch gut, daß sie die Mayersche Abhandlung in ihrenAnnalen " zum Abdruck brachten, wo sie sich freilich auch fremd-artig ausnimmt, und wo sie auch nicht viel beachtet wurde.So schwebte von Anbeginn an ein gewisser Unstern über denneuen Ideen. Gewiß ist auch dieser erste Versuch ein dankens-und lesenswerter, aber jene Periode war wenig dazu angethan,ihn zu würdigen. Mit Farad ay, von dem er aber kaum etwaswußte, kommt Mayer darin überein, daß er den Begriff Kraftvöllig neu zu formulieren bestrebt ist und die älteren Definitionensür ganz unzureichend erklärt. Bewegung ist durch eine Krafthervorgerufen worden, hört aber nach einiger Zeit auf; was istdauu aus der auslösenden Kraft geworden, ist diese ebenfalls ver-schwunden?Zu Nichts kann die Bewegung nicht geworden sein,und entgegengesetzte oder positive und negative Bewegnngeu könnennicht gleich Null gesetzt werden, so wenig aus Null entgegengesetzteBewegungen entstehen können oder eine Last sich von selbst heben