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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Der neue Begriff der mechanischen Arbeit.

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bezeichnen, welches 550 Fußpfnnden pro Sekunde entspricht. Inneuerer Zeit wurde eine Übereinkunft dahin getroffen, daß dafür100 Sekundenmeterkilogramm gesetzt werden.

In der praktischen Ausnutzung des Äquivalenzprinzipes hattesich, wie das ja mir verständlich ist, Deutschland vom Auslandeüberflügeln lassen müssen, aber in der theoretischen Durchbildungdes aus seiner Initiative hervorgegangenen Vorstellungskomplexesblieb Mayer obenanf. Im Jahre 1845 ließ er seinem erstenlitterarischen Versuche, dessen Keime auf steiniges Erdreich gefallenwaren, einen zweiten, weit gereifteren nachfolgen, allein bedauer-licherweise vergriff er, dem nichts ferner als eine auch erlaubteReklame lag, sich wiederum iu der Wahl des Titels seiner Schrift(Die organische Bewegung in ihrem Znsammenhange mit demStoffwechsel", Heilbronn 1845). Konnte man es dem Physikerverübeln, wenn er, durch diese ganz unzweckmäßige Aufschrift irregeleitet, eine Arbeit, die ganz und gar der Physiologie anzugehörenschien, beiseite liegen ließ? Und doch ist gerade diese Arbeit, wohldie bedeutendste, die Mayers Feder entsprang, von fundamentalerTragweite für die gesamte Naturwissenschaft, nicht etwa nur fürderen organvlogische Partien. An die Spitze stellt er das Axiom,daß es nur eine einzige Kraft giebt, über deren Erschaffungund Vernichtung der Mensch sich niemals ein Urteil bilden könne,während er andererseits dazu berufen sei, die Veränderungen undUmsetzungen dieser Kraft zu studieren. Damit dies aber geschehenkönne, müsse man sich über eine einfache, jederzeit erkennbare Fest-setzung einer Normalkraft verständigen, nnd dazu eigne sich alleindie Fallkraft, bezüglich deren schon im vergangenen Jahrhundertein exaktes Maß ermittelt worden sei. Dies ist die aus den Dar-legungen und Streitigkeiten eines Leibniz , Joh. Bernoulli,dÄlembert, Kant, Voltaire n. a. über die richtige Schützungder lebendigen Kraft bekannte Große, welche man erhält, wennman die halbe Masse des frei fallenden Körpers mit dem Quadrateder erreichten Endgeschwindigkeit multipliziert, und diese lebendigeKraft ist nur ein anderer Ausdruck sür den neuen Begriff dermechanischen Arbeit. Eine solche leistet aber, wie jede durchHeizung iu Betrieb gesetzte Maschiue beweist, auch die Wärme,

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 22