Der Streit um die Prioritntsfrcige.
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da habe er auf sie auch stets in der Weise hingewiesen, daß dieÜbereinstimmung im Ziele betont ward; in der That ist ja auchdie Verschiedenheit der Wege, auf denen beide diesem Ziele zu-strebten, eine überaus große! Helmholtz beruft sich u. a. aufeinen späteren Vortrag, den er im Jahre 1854 hielt, sowie ansden Briefwechsel, in dem er mit dem schottischen PhysikerP. G. Tait (geb. 1831) stand. Letzterer hatte Mayers Verdienstneben demjenigen Joules, auf den die Briten mit Recht besondersgroße Stücke halten, nicht recht gelten lassen wollen, und daraufhinschreibt sein deutscher Kollege: „Was nun Robert Mayer be-trifft, so kann ich allerdings den Standpunkt begreifen, den Sieihm gegenüber eingenommen haben, kann aber doch diese Gelegen-heit nicht hingehen lassen, ohne ausznsprechen, daß ich nicht ganzderselben Meinung bin." Joule habe zwar mehr als Mayergethan, in dessen Abhandlungen eine gewisse Unklarheit nicht zuverkennen sei, aber man müsse in ihm nichtsdestoweniger denMann schätzen, „der unabhängig und selbständig diesen Gedankengefunden hat, der den größten neueren Fortschritt der Natnr-wissenschaft bedingte". Ans solche Zeugnisse hin ist es schlechthinunzulässig, im bekannten Stile von Helmholtz' Widersachern zubehaupten, dieser habe sich bemüht, das Verdienst dessen, in demer einen gefährlichen Nebenbnhler erkennen mußte, zu verkleinernoder totzuschweigen. Die Genialität beider Naturen war einefremdartige; die philosophische, nach allen Seiten ausgreifende De-duktion Mayers konnte den induktiven Sinn seines Konkurrenten,der in der strengen Schule der Mathematik herangebildet war,nicht zufriedenstellen. Aber trotz dieser Verschiedenheit der Grnnd-auffassung spricht es Helmholtz gegen Tait deutlich aus, daßdie chronologische Priorität in der öffentlichen Bekanntgabe desGesetzes von der Erhaltung der Energie eben Mayer gebührt,wenn auch Coldiug und M. Seguin (1786—1875) sast gleichzeitigsich gemeldet hätten. Bezüglich des letzteren möchten wir bemerken,daß derselbe doch nur sekundär mitgezählt werden darf, denn erbeschränkte sich hauptsächlich ans den Nachweis, daß auch derALronnut I. Montgolfier (1740 — 1810) ganz zutreffende An-sichten über die Einheit der Naturkräste gehegt habe.