344 XI. Der große Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipicnlchre.
Endlich schlug denn doch auch Mayers Stnnde, und maubegann, ihm die bisher verweigerte Gerechtigkeit widerfahren zulassen. Zwar der große Physiker William Thomson (geb. 1824),seit seiner Nobilitierung als Lord Kelvin in den weitestenKreisen bekannt, verbreitete sich noch zu Beginn der fünfzigerJahre über die Erhaltung der Sonuenenergie in einem Jdeengange,der mit demjenigen Mayers dem Inhalte nach ganz übereinstimmt,ohne des letzteren zu gedenken; es mochten eben von dem ein-schlägigen Schriftchen nnr ganz wenige Exemplare über den Kanalhinübergewandert sein, nnd in Thomsons Hände war keines der-selben geraten. Die Physiker verharrten noch längere Zeit inihrer Zurückhaltung, aber die Chemiker, die ja doch auch beteiligtenInteressenten, wurden nachgerade wärmer in ihrer Anerkennung.So 1858 Schoenbein, so 1859 Liebig, der in einer Nenauf-lage seiner „Ehem. Briefe" das Verdienst Mayers unumwundenfeierte, und dieses in allen Kreisen beliebte Buch hat zweifellossehr dazu beigetragen, Entdecker und Entdeckung bekannter zumachen. Das größte Verdienst in dieser Hinsicht muß jedochJohn Tyndall (1820—1893), dem populärsten englischen Phy-siker der neuesteu Zeit, zugesprochen werden. Auf deutschen Uni-versitäten herangebildet, mit der deutschen Fachlitteratur inuigvertraut und durch seine zahlreichen, großartigen Alpenreisen insteter Berührung mit deutschem Wesen erhalten, war derselbe förm-lich dazu ausersehen, den Vermittler zwischen unserem und seiuemeigenen Volke abzugeben, und er hat sich dieser ehrenvollen Aus-gabe auch mit hingebendem Eifer unterzogen. Als im Jahre 1862die Londoner Weltausstellung stattfand, hatte er vor einer Ver-sammlung hervorragender Männer einen wissenschaftlichen Vortragzu halten; er wählte das Thema der Energieverwandlung, er-läuterte iu seiner gemeinverständlichen Weise alle dahin zielendenFragen und erklärte hierauf, ein in England wohl noch wenigbekannter deutscher Arzt, in der württembergischeu Stadt Heilbronn lebend, sei es, der eiue neue Periode des naturwissenschaftlichenDenkens inauguriert habe. Man müsse staunen über das, wa§der geniale Mann iu der Stille, entfernt vom großen Kreisläufedes wissenschaftlichen Lebens, gefunden habe. Gleich darauf warf