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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Tyndalls Eintreten für Mayer.

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Tyndall ein Werk auf den BüchermarktDie Wärme alseine Art der Bewegung" lautet der Titel der von Helmholtzund G. Wiedemann (1826 1898) besorgten deutschen Aus-gabe, welches die neue Energielehre kräftig vertrat und dnrchfein ersonnene Experimente veranschaulichte; auch hier ist Mayerein Mittelpunkt der Darstellung. Da sah denn endlich die ge-lehrte Welt ein, was sie versäumt hatte. Angesehene Akademien,darunter die dereinst so vornehm negierende Pariser, nahmenMayer als Mitglied auf; die Philosophische und naturwissen-schaftliche Fakultät Tübingens ernannten ihn zum Ehrendoktor;auch sonst gab es äußere Anerkennungen in Hülle und Fülle.Und dem Vielgeprüften haben gewiß nur wenige diesen späten Er-folg nicht gegönnt. Auch der wissenschaftliche Johannistrieb er-wachte in ihm freilich ohne daß, was er in diesen späterenJahren produzierte, mit den geistsprühenden Jugendleistungen einenVergleich aushielte. Ein 1869 auf der Jnnsbrucker Naturforscher-versammlung gehaltener Vortrag überKonsequenzen und Inkon-sequenzen der Würmemechanik" gab Denen recht, die meinten,Mayers Uhr sei doch im wesentlichen abgelaufen; es kommendarin positive Unrichtigkeiten vor, und anch wer an und für sichganz auf des Redners religiösem Standpunkte steht, wird es dochsür unangebracht erklären müssen, daß derselbe das Energiegesetz,wie die gesamte Philosophiezu einer Propädeutik der christlichenReligion" umstempeln wollte. Mit I. I. Weyrauch (geb. 1845),dessen biographische Skizze über Mayer uns am besten den Wegobjektiver Würdigung einzuhalten scheint, während man sichandererseits zu blinder Verhimmelung verstiegen hat, müssen wireben sagen: Schon mit 34 Jahren war infolge des Zu-sammentreffens aller möglichen widrigen Umstände diesereiche Lebenskraft gebrochen, und die noch folgenden dreiDezennien konnten nur uoch ein oberflächliches Gleichgewichtwieder herstellen, die ehemalige geistige Spannkraft aber nicht mehrzurückrufen.

Es dünkte uns notwendig, Mayer als eine geschichtliche Per-sönlichkeit, wie deren nicht allzu viele vorkommen, zusammen-hängend zu charakterisieren, aber es ließ sich dabei nicht vermeiden,