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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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346 XI. Der grvße Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipienlehre.

daß wir dabei in die Folgezeit hineingeführt wurden, in die Zeiteiner neuen Physikalischen Disziplin, bei deren Begründung eben derschwäbische Newton", wie sich einmal einer seiner Bewunderergar nicht übel ausgedrückt hat, eiue einflußreiche Rolle spielte.Dies ist die mechanische Wärmetheorie oder Thermodynamik,die in den letzten Jahren namentlich deshalb zn so großer Bedeu-tung durchgedrungen ist, weil sie alle Fortschritte der Maschinen-kunde regelt nnd selbst schon zu konstruktiven Erfindungen denunmittelbaren Anstoß gab, die rein empirisch schwerlich gemachtworden waren.

Wärme ist Bewegung, so mußte der rationelle Physikernm die Mitte des Jahrhunderts denken, und da man von ersterernichts unmittelbar, sondern nur durch Vermittlung des Tastsinnesund geeigneter Instrumente etwas wahrnimmt, so mußte der Be-wegungsvorgang ein interner, unsichtbarer geworden sein. Molar-bewegung hatte sich in Molekularbewegung umgewandelt,und letztere konnte wieder einer RückVerwandlung in eineArbeitsleistung teilhaftig werden. Nachdem man sich dieseThatsache recht klar gemacht hatte, erwachte auch erst die Neigung^eine bei weitem ältere Untersuchung, auf die wir auch oben an-spielten, im Lichte der neu gewonnenen Einsicht zn betrachten undsie so zu würdigen, wie dies eben vorher nicht wohl möglich ge-wesen war. Sadi Carnot (17961332), Sohn des berühmtenmilitärischen Organisators der Revolutionsjahre L. N. M. Carnot (17531823), auch eines geschätzten Schriftstellers über Mathe-matik und Maschinenlehre, hatte schon vor längerer Zeit eine theo-retische Stndie über die Eigenschaften und die Wirkungsweise derDampfmaschine veröffentlicht (liöllöxions sur 1a xuissaries motriesclu isu et lös iriaelliriös zzroprss g, cksvslojzpör eetts r-uissaues",Paris 1824); man wußte jedoch mit der geistvollen Arbeit, dieman als solche bereitwillig anerkannte, nichts Rechtes anzufangen,weil die Art der Entwicklung eine allzu fremdartige war. Carnot geht von der in Fouriers Wärmetheorie den obersten Leitsatzdarstellenden Annahme aus, daß die Wärme immer vom höhertemperierten zum niedriger temperierten Körper übergehen muß;die moderne Energetik spricht diese Wahrheit allgemeiner so aus,