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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Carnots Begründung der Theorie der Dampfmaschine. 347

daß jede Bewegung vom höheren zum tieferen Niveau,und niemals umgekehrt, sich vollzieht; unter Niveau ist imallgemeinen eine Ortsfläche gleichen Potentiales verstanden. DieNatur strebt nach Carnot unter allen Umständen nach einerWiederherstellung des kalorischen Gleichgewichtes, unddieses Prinzip läßt sich auch im Spiele der arbeitenden Teile einerDampfmaschine verfolgen. Wo sich eine Temperaturdifferenz heraus-stellt, da kann sich bewegende Kraft entwickeln, und wo mau überletztere verfügt, kann man sie zur Herstellung einer Temperatur-differenz benützen. Stoß und Friktion stören das kalorische Gleich-gewicht. Um nun die Art und Weise zu erklären, wie die Maschinearbeitet, denkt sich Carnot zwei stets aus konstanter Temperaturerhaltene, somit den Dienst unerschöpflicher Wärmebehälter thuendeKörper ^ und L, und zwar soll ^ eine höhere Temperatur als Lhaben. Der Dampf hat die Bestimmung, fortgesetzt Wärme von ^nach L zu überführen. Zunächst giebt ^ Wärme her, um Dainpszu erzeugen, wie dies ein Herd oder Kessel besorgt; hierauf wirdder so gebildete Dampf in einen Zylinder eingeschlossen, in welchemein Stempel sich alternierend bewegen kann, und wenn durch dasAufziehen dieses Stempels dem Dampfe ein größerer Raum eröffnetwird, als er ihn vorher einnahm, so dehnt sich jener aus, und Ab-kühlung ist die Begleiterscheinung dieser Ausdehnung. Man läßtdiesen Prozeß so lange andauern, bis der Dampf die Temperatnrdes Körpers k angenommen hat, und alsdann verflüssigt man ihnwieder durch Druck, wobei er mit L fortwährend in Berührungbleibt; letzterer übernimmt so die Rolle, welche bei der älterenDampfmaschine das eingespritzte Wasser spielte. Dann kann derHergang von neuem in der gleichen Weise erfolgen, indem dergleiche Endznstand erreicht wird; es liegt das vor, wasN.J. E. Clau-sius (18221888) nachmals einen Kreisprozeß genannt hat.Wenn etwa n Zustände a^, - - - ^ von solchem Charakter vor-liegen, daß der letzte derselben ^ wieder ganz mit ^ zusammen-fällt, so ist eine solche Verkettung von Zuständen gegeben. Vonselbst versteht es sich gar nicht, daß auch ganz die nämliche Reihen-folge in umgekehrter Ordnung durchgemacht werden kann, fo daßalso auf an zuerst a^i, dauu u,,.^ und schließlich ^ zu