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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Hirn, Zeuner , Maxwell.

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Möglichkeit, den Kraftbegriff aus der Naturlehre ganz zueliminieren und ausschließlich Bewegungserscheinungenals Träger der sogenannten Kraftwirkung bestehen zulassen, schien eben doch gegeben; der Forschung war ein ganzneues, unermeßlich ausgedehntes Feld eröffnet, nnd daß sich ihrdies eröffnen konnte, war das Verdienst der mechanischen Wärme-theorie.

Diese selbst hat sich in den fünfziger Jahren, über welche wirin diesem Abschnitte nicht hinausgehen möchten, noch beträchtlicherFortschritte zu erfreuen gehabt. Selbst Forscher, die, wie der El-sässer G. A. Hirn (18151890), die von Kroenig und Clau-sius gelegte Grundlage nicht als sicher anerkannten und deshalbauf dem Boden des Energiegesetzes weiter arbeiteten, ohne sichirgendwie in Spekulationen über die Struktur der Körperwelt undüber die Natur der Wärme einzulassen, haben indirekt viel zurFörderung selbst der von ihnen argwöhnisch betrachteten Prin-zipienlehre beigetragen. Aus der Technik war dieselbe, unter derFührung Carnots und Clapeyrons, hervorgegangen, und auchRankiue war, wenn er sich mit der Würmetheorie beschäftigte, inerster Linie Techniker, während allerdings die Deutschen das reintheoretische Moment in den Vordergrund stellten. Nach dieserSeite erhielt aber bald auch in unserem Vaterlands die jungeDisziplin eine kräftige Förderung dnrch das Eingreifen G. Zeuners(geb. 1828), welcher ersterer auch das erste systematische und durchseine Rücksichtnahme auf Maschinenkunde für den Praktiker über-aus schätzbare Lehrbuch lieferte (Grundzüge der mechanischenWärmetheorie, mit besonderer Rücksicht auf das Verhalten desWasserdampfes", Freiberg 1860). Hier wurde insbesondere auchdie Carnotsche Funktion auf einem neuen Wege eingeführt,mittelst dessen die noch hie und da gegen die Deduktion vonClausins bestehenden Bedenken zerstreut werden mußten.

Im gleichen Jahre 1860 gelang C. Maxwell, dessen wir alseines der erfindungsreichsten Physiker der neuesten Zeit bereitsvorübergehend Erwähnung zu thuu hatten, ein besonders glücklicherWurf, kraft dessen die mathematische Behandlung der Gastheorieungemeiu gewann. Clausins hatte unter gewissen Voraus-