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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Maxwells Theorie der Stromrvhren,

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Nachbarteilchen zu Nachbarteilchen fortpflanzen. Daraus folgt,daß zwischen den einzelnen Naturvorgängen, mögen sie auf denersten Anblick auch so gut wie nichts miteinander gemein zu habenscheinen, doch intime Wechselbeziehungen obwalten müssen,und zu deren Aufdeckung hält Maxwell kein Mittel für geeig-neter, als eben die Faradayschen Vorstellungen, zumal iu demmathematischen Gewaude, in welches sie von W. Thomson ge-kleidet wurden. So denkt sich denn auch ersterer den ganzenRaum mit Kurven, Kraftlinien angefüllt, und wenn man an einederselben in irgend einem Punkte eine Tangente legt, so giebt die-selbe die dort gerade vorhandeue Kraftrichtung an. Nuu aberwird an diesem Begriffe eine wichtige Modifikation angebracht.Faraday hatte blos angedeutet, daß die Stärke der Kraft derAnzahl der durch eine gegebene Fläche passierenden Kraftlinienproportional sei; Maxwell dagegen setzt an den Platz der nnrin einer einzigen Dimension ausgedehnten Linien dünne Rohrenmit veränderlichem Querschnitte, welche er sich von einer in-kompressiblen Flüssigkeit durchflossen denkt. Zwischenräume zwischendiesen Rohren sind nicht vorhanden, und so werden deren Wändezu Flächen, welche die Bewegungsrichtung einer den ganzen Raumerfüllenden Flüssigkeit bestimmen. Es handelt sich demgemäß zuerstdarum, von der Bewegung einer unzusammendrückbaren Flüssigkeitein geometrisches Bild zu bekommen, wenn erstere als ein Systemvon Einheitsröhren definiert werden kann. Auch soll die strö-mende Bewegung eine stationäre, die Geschwindigkeitskomponentensollen von der Zeit uuabhängig seiu. Ein System von Flächen,welche durchweg senkrecht auf der ersten Schaar verlaufen, teilt zu-sammen mit diesen die einzelne Fläche in einfach unendlich vieleElemente von vierseitiger Gestalt; zwei gegenüberliegende Seitensind immer Kraftlinien, die beiden anderen Stücke sind Strom-linien, und die Tangenten der letzteren signalisieren die jeweiligeStrömungsrichtung. Eine Anzahl Stromlinien erfüllt stets eineStromröhre. Diese, wie man sieht, nur eine Ausgestaltung desFaraday scheu Systemes darstellenden Festsetzungen reichen nunfür Maxwell hin, die Theorie der Bewegung einer imponderablenFlüssigkeit durch ein widerstehendes Mittel hindurch zu entwickeln,