Maxwells Wirbelatome,
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den imponderablen Flüssigkeiten hindurch zu verfolgen, da einebloße Wortbeschreibung zwar in den meisten Fallen möglich, aberdoch ohne den Rückhalt der Formel oft sehr umständlich ausfallenmüßte. Wie man sieht, wnrden in den ersten Veröffentlichungendie gebräuchlichen Symbolisierungen dessen, was uns die Sinnevon den Erscheinungen lehren, einstweilen beibehalten; es wnrdenoch von Anziehung und Abstoßung gesprochen, obwohl damitnur ein gewisses Verhalten der Kraströhren gemeint war. Aberüber die Ursache der magnetischen und elektrischen Phänomenewar nichts ausgesagt worden; der Versuch, eine noch tiefer gehendeAufklärung herbeizuführen, setzte die Zulassung einer weiterenGrundeigenschaft der Materie voraus, wie dies auch die Atomistikerhatten thun müssen. So entstand der Maxwellsche Molekular-wirbel oder, wie man wohl auch sagt, das Wirbelatom, wiewohlletzterer Name leicht zu Mißverständnissen führen kann. Man hatsich die Kraftlinien von Wirbeln umgeben zu denken, deren Haupt-eigenschaft sich folgendermaßen angeben läßt: Auf der an dieKraftlinie gezogenen Berührenden sei ein Pfeil markiert, welcherin gewohnter Richtung die Kraftrichtung darstellt; blickt dann einAuge läugs des Pfeiles nach der Spitze desselben hin, so vollziehtsich für dieses Auge die rotatorische Bewegung in jedem Elementar-wirbel im Sinne des Uhrzeigers. Inder achsialen Richtungwirkt alsdann die dem Begriffe der Kraftlinie entsprechende Zug-kraft, und in der auf ersterer normal stehenden äquatorialenRichtung wirkt eine durch die Wirbelung ausgelöste Druckkrast.Jeder Wirbel kann als bipolar betrachtet werden, denn der Dreh-sinn in ihm ist ein verschiedener, je nachdem man vom einen odervom anderen Ende der Wirbelachse her auf ihn blickt. DieseMolekularwirbel haben also bereits im Jahre 1861 Maxwell zueiner in sich abgeschlossenen Erklärung aller in das weite Gebietdes Magnetismus, der statischen uud der dynamischen Elektrizitätgehörigen Erscheinungen verholfen und auch bei der ueuen, elektro-magnetischen Interpretation der in die Optik gehörenden That-sachen mitgewirkt. Unter dem erkenntnistheoretischen Gesichts-punkte ist gegen das mehrfach erhobene Bedenken, ob man einesolch komplizierte Anordnung der natürlichen Vorgänge für zulässig