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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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366 XI. Der große Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipienlehrc,

halten dürfe, die prinzipielle Stellungnahme zu betonen, dieGustav Robert Kirchhoffs Darstellung der mechanischen Grund-lehren kennzeichnet, und deren schon der Anfang dieses Abschnittesgedachte. Es ist nicht unsere nächste Aufgabe, das innere Spielder Naturkrüfte wirklich zu erkennen, was gegenteils vielleichteine überhaupt für den Menschen transzendente Sache wäre; wirmüssen uns vielmehr zunächst daran genügen lassen, die sinnen-sälligen Aktionen möglichst genau und einfach zu beschreiben.Leisten dies die Molekularwirbel ebenso gut oder besser als die ältereatomistische Anschauungsweise, so ist deren Berechtigung in sich selbstnachgewiesen. Vielleicht werden jedoch diese neu eingeführten Atomemit denjenigen, die in der Physik und noch mehr in der Chemiedas Feld behaupteten, dereinst noch zu einer höheren Einheit ver-schmolzen werden.

Wir könnten hiermit unsere Besprechung des Übergangszeit-alters, in dem sich eine völlig neue Auffassung der gangbarennaturwissenschaftlichen Begriffe und Ideen teils entwickelte, teilsauch bereits sieghaft durchsetzte, einstweilen abbrechen, wenn es unsnicht geraten schiene, der inneren Kontinuität halber auch noch einesonst ziemlich isoliert dastehende Phase des allgemeinen Entwick-lungsprozesses heranzuziehen, deren Geschichte besonders deutlichzeigt, wie unsäglich schwer es auch in unserer Zeit oft noch hält,daß das Recht, vom gewohnten Wege abzugehen, nur nicht geradezugrundsätzlich bestritten werde. Helmholtz sagt, unsere jüngereGeneration vermöge sich nicht mehr recht klar zu machen, welcheHindernisse zur Zeit ihres ersten Auftauchens die uns jetzt soselbstverständlich erscheinende Lehre, daß der Energievorrat derWelt sich weder vermehren noch vermindern könne, in allen Kreisenzu überwinden hatte; R. Mayers Schicksale haben uns einetreffende Illustration dieser Thatsache geliefert. Kaum viel anderserging es I. W. Hittorf, als er in den Jahren 1853, 1356 und1858 seine Zergliederung des Wesens der Elektrolyse, vonwelcher unser achter Abschnitt gehandelt hat, der wissenschaftlichenWelt vorlegte. Er stieß auf den allerheftigsten Widerstand, undes entspann sich darüber eine in mancher Beziehung höchst un-erquickliche Polemik, die aber, wie W. Ostwald (geb. 1853)