Hittorfs Ansichten über Jvnenwanderung.
367
meint, „als ein lehrreiches Kapitel zum intellektuellen Trägheits-gesetze" gleichwohl nicht ganz unvergessen bleiben darf. Und dochknüpfte Hittorf, wie die Einleitung zu seinem Abhandlungszyklusdarlegt, an eine schon weit früher, unmittelbar nach dem Bekannt-werden der ersten Versuche über Wasserzersetzung, vouTH. v. Grott-huß (1785—1825) gegebene Erklärung an, die damals keinen be-sonderen Stand aufgewirbelt hatte. Derselbe hatte, worauf wirauch bei unserer Skizzierung der Arbeiten von Nicholson nndCarlisle bereits anspielten, klar erkannt, daß reines Wasser keinElektrolyt sei, sondern daß, wenn trotzdem die bekannte Zerlegungin Sauerstoff nnd Wasserstoff vor sich geht, daran das Vorhanden-sein an sich fremdartiger Substauzeu die Schuld trage. DieElektroden, denen mau ursprünglich nur eben sozusagen die Be-deutung von Gelegenheitsmachern zuerkennen wollte, spielen inWirklichkeit eine bei weitem einflußreichere Rolle, und v. Grott -huß that eiuen Schuß ins Schwarze, als er den sonderbarklingenden Satz aufstellte: Könnte man ohne eintauchende metallischeLeiter einen geschlossenen Strom im Wasser entstehen lassen, sowürde zwar jedes in den Stromkreis eingeschaltete Wasserteilchenzerlegt, aber im nämlichen Momente auch schon wieder zusammen-gesetzt werdeu, nnd das Wasser würde bleiben, was es ist. Dieweiteren Schlüsse des genannten Physikers decken sich dann aller-dings nicht mehr mit der Wirklichkeit, aber Faraday nahm denErsterem entfallenen Faden wieder auf und erklärte mit Bestimmt-heit, daß der Elektrolyt den Strom selbst leite nnd dadurch derchemischen Zersetzung anheimfalle. Nach Hittorf, der die vor-erwähnte Dentnng des Magnetisierungsaktes — Umrichtungder bis dahin neutral verbliebenen Elcmentarmagnete— auf die hier in Mitte liegenden Aktionen überträgt, muß manannehmen, daß in jedem Moleküle des zu zersetzenden Körpers vonHause aus Kationen und Unionen vereinigt sind, ohnegegeneinander eine bestimmte Lage einzunehmen. Mit dem Ein-tritts des Stromes durch die Elektroden ist eine Richtung dieserIonen verbunden; das Kation wendet sich der Kathode, dasAnion wendet sich der Anode zu. Dies ist jedoch nur ein vor-übergehender Zustand; die Moleküle lösen sich unter der Einwirkung