Zß8 XI. Der große Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipienlehre.
des Stromes auf und geraten ins Wandern, so daß alle Kationenauf die Kathode, alle Unionen auf die Anode zustreben. Die Ge-schwindigkeit dieser Wanderung wird aber, je nach der besonderenZusammensetzung des Elektrolyten, eine verschiedene sein, und nachden Wegen, welche die verschiedenen Ionen in gleicher Zeit zurück-legen, richten sich die Mengen der an den Polplatten sich abschei-denden Grundstoffe. Gesetzt, es lege das Anion den dritten Teil,das Kation dagegen zwei Drittel des ganzen Weges zurück, so ent-hält nach der Zersetzung die der Anode anliegende Flüssigkeiti/z Äquivalent des Anions mehr, -/z Äquivalent des Kationsweniger als vor jenem Akte. Hittorfs Versuchsreihen, beidenen grundsätzlich die von den englischen Forschern bevorzugteAnwendung einer tierischen Membran, durch welche die wanderndenTeile hindurchgehen mußten, vermieden war, gaben über die quan-titativen Konsequenzen der Ionen Wanderung genauen Aufschluß.Aber es wurde auch der Prozeß der Zerlegung selbst durchsichtigergemacht, und es ergab sich, daß die Elektrolyts sich, mögen sie nungeschmolzen oder gelost seiu, gauz wie metallische Leiter ver-halten. Die Ausscheidung von Sanerstoff und Wasserstoff an denElektroden ist eine sekundäre Erscheinung, wofür Faradaysund Daniells Studien bereits mannigfache Anhaltspunkte ge-liefert hatten. Es war vornehmlich diese letztere These, welche denWiderspruch entflammte. Man hielt auch der neuen Theorie derenverineintliche Unverträglichkeit mit dem OHinsehen Gesetze entgegen,und es ist ja nicht zu leugnen, daß die Unterscheidung der stär-keren und schwächeren Ionen, kraft deren Hittorf jenen Einwandzu beseitigen bestrebt war, nicht so leicht verstanden werden konnte.Es schien eben die physikalische Chemie einer gewissen Unsicherheitzu verfalleu, wenn sich der die Summe der neuen Untersuchungs-methode ziehende Satz bewahrheitete: „Die Ionen eines Elektrolytenkönnen nicht in fester Weise zn Gesamtmolekülen verbunden sein."
Und doch hat gerade hier jeue Fortbildung eingesetzt, welchedie Jonentheorie neuerdings dem skandinavischen Physiker A SvanteArrhenius (geb. 1859), wie erwähnt, verdankte. Freilich ist es auchdiesem nicht leicht geworden, sich Gehör zu verschaffen, aber in unserenTagen beginnt man doch mehr und mehr, auch sogar in Hochschul-