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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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376 XII. Der Werdegang der Spektralanalyse.

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wird unsichtbar; gegen das mindest brechbare Ende hin erscheinendagegen Absorptionslinien, die sich ab und zu sogar als breiteBänder darstellen. Die eine rein terrestrische Herkunst dieser Linienbeweisenden Arbeiten von I. H. Gladstone (geb. 1827) sind zwaretwas später als Kirchhofss grundlegender Bericht an die Akademieerschienen, aber es wird doch auch schon in diesem der Frage, überdie ja allerdings noch keine Entscheidung gefallen war, in geeigneterWeise Rechnung getragen.

Obwohl, wie das aus den Erklärungen Kirchhofss erhellt,sämtliche Versuche und Beobachtungen von beiden Männern gemein-schaftlich vorgenommen wurden, so nahm doch in der ersten Zeitersterer allein das Wort vor der Öffentlichkeit. Noch vor Schlußdes Jahres 1859, in dem wir fraglos das Jahr der Entstehungder Spektralanalyse anzuerkennen verpflichtet sind, ließ er der Aka-demie eine zweite, wiederum nur gedrängte Mitteilung über eiuenErfahrungssatz zugehen, der ihm die wahrgenommenen Thatsachenbündig zu erläutern schien, und der als Kirchhoffsches Theoremean dem gegenüber der ursprünglichen Fassung freilich einige Ände-rungen angebracht werden mußten, für alle Zeiten die Grundlageder wissenschaftlichen Spektroskopie abgeben wird. Es ist ohneZweifel möglich, so beginnt die Erörterung, sich einen Körper vor-zustellen, der, wenn beliebig viele leuchtende nnd duukle (Wärme-)Strahlen auf ihn fallen, nur Strahlen von einer ganz be-stimmten Wellenlänge aussendet und gleicherweise nur Strahlenvon gleicher Wellenlänge verschluckt. Wird dies zugegeben, soläßt sich weiter zeigen, daß für Strahlen derselben Wellen-länge und bei gleicher Temperatur allen Körpern einkonstantes Verhältnis des Emissions- zum Absorptions-vermögen zukommt. Die mathematischen Überlegungen, die fürdie Begründung erforderlich find, zeichnen sich dnrch ihre Einfachheitaus und gehen nicht über die Lehre von den geometrischen Pro-gressionen hinaus. Das erwähnte Verhältnis hängt nur vonWellenlänge und Temperatur ab; aus der bloß generellen Be-trachtung der betreffenden Funktion muß man schließen, daß mitdem Absorptionsvermögen auch das Vermögen zunimmt, Licht aus-zusenden. Undurchsichtige Körper erglühen bei niedrigerer Temperatur,