Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
375
Einzelbild herunterladen
 

Kirchhoffs Nachweis der Umkehrung des Spektrums.

375

gehören, zunächst mit dem Sonnenspektrum gar nichts zu thun hat.Ein dritter Versuch galt dem Chlorlithium, welches man indem seit einiger Zeit den Physikern und Chemikern die ersprieß-lichsten Dienste leistenden Bunsenschen Gasbrenner zum Ver-slüchtigeu brachte uud das, je nach dem Beleuchtungsgrade, ent-weder eine helle oder eine dunkle Linie lieferte.

Die Worte, mit denen Kirchhofs das Fazit aus diesen neuenund in ihrer Nenheit auch gleich richtig abgeschätzten Beobachtungenzog, wird man zweifellos gerne im Originale lesen, und so mögensie denn auch hier stehen.Ich schließe aus diesen Beobachtungen,daß farbige Flammen, in deren Spektrum helle, scharfe Linienvorkommen, Strahlen von der Farbe dieser Linien, wenn dieselbendurch sie hindurchgehen, so schwächen, daß an Stelle der hellenLinien dunkle auftreten, sobald hinter der Flamme eine Lichtquellevon hinreichender Intensität angebracht wird, in deren Spektrumdiese Linien sonst fehlen. Ich schließe weiter, daß die dunklenLinien des Sonnenspektrums, welche nicht durch die Erdatmosphärehervorgerufen werden, durch die Anwesenheit derjenigen Stoffe inder glühenden Sonnenatmosphäre entstehen, welche in dem Spektrumeiner Flamme helle Linien an demselben Orte erzeugen." In diesenzwei Sätzen verbirgt sich die den Keim einer neuen Disziplin, ebender Spektralanalyse, enthaltende Lehre von der Umkehrungdes Spektrums; den hellen Linien der Flammenspektra entsprechendie dnnklen des Sonuenspektrums, die damit als Absorptions-streifen gekennzeichnet sind. Die rote Lithiumlinie ist im Sonueu-lichte nicht ausgelöscht worden; man muß mithin dafürhalten, daßdieses Element der Sonnenphotosphüre fehlt, oder daß es doch, wieKirchhofs vorsichtig hinzusetzt, dortselbst uur in verhältnismäßiggeringer Menge vertreten ist. Eine Zusatzbemerkuug, die ganz ebensofür die Vorsicht des Autors bezeichnend ist, bedarf noch einer kurzenAufklärung. Dnrch F. Zantedeschi (17971873) war auf ge-wisse Spektralstreifeu hingewiesen worden, die bei niedrigem Sonnen-stande sich bemerklich machen und eben aus diesem Grunde, weildann die Lichtstrahlen einen längeren und gekrümmteren Weg inder Lufthülle zu beschreiben haben, sich als Gebilde atmosphä-rischen Ursprunges verraten. Der violette Teil des Spektrums