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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XII. Der Werdegang der Spektralanalyse.

dem wir mit vollem Rechte einen der Entdecker verehren, diesen letztenSchritt that, da war ihm dessen Tragweite auch nicht mehr verborgen.

Nur zwei Oktavseiten umfaßt die Note, in welcher 1859Kirchhofs der Berliner Akademie Mitteilung von den Beob-achtungen machte, die von ihm und seinem Heidelberger Kollegenangestellt worden waren, aber diese zwei Seiten sind entscheidendfür die Prioritätsfrage. Aus diesem Grunde dürfen wir wohletwas länger bei dieser wichtigen Etappe in der Geschichte derPhysik verweilen. Die Fraun ho ferschen Linien hatte man bis-lang als eine Thatsache hingenommen und sich wesentlich daraufbeschränkt, ihre gegenseitige Lage möglichst genau zu bestimmen,aber ihre Herkunft war noch nicht aufgeklärt. Kirchhofs undBuuseu ließen nun, nicht etwa von nngesühr, sondern weil siesich vorgenommen hatten, aus dem Spektrum einer Lötrohr -slamme die qualitative Zusammensetzung von Gemengen zu er-schließen, die Sonnenstrahlen, ehe sie auf den Spalt desunlängst auch erst von Kirchhofs verbesserten Spektral-apparates fielen, durch eine Kochsalzflamme treten, und daerhielten sie statt jener beiden dunklen Streifen, die in Fraun-hofers Nomenklatur den Buchstaben v führen, zwei helle Linien.Allerdings dnrfte das Sonnenlicht jenes, in welchem die Kochsalz-probe erglühte, nicht allzn sehr an Helligkeit überstrahlen; warletzteres der Fall, so traten die Linien O mit besonderer Deutlich-keit hervor. Hierdurch veranlaßt, unterzogen die beiden Forscherjenes überaus helle Kalklicht der Untersuchung, dessen EntstehungKapitän Th. Drummond (17971840) zur Erzielung grellerLichteffekte im Jahre 1826 vorgeschlagen, und welches sich seitdemauch in der Anwendung oftmals bewährt hatte. Sofern der insGlühen zu versetzende Kalkzylinder noch nicht lange Zeit leuchtet,wird das Spektrum des entsprechenden Lichtes durch die beidenhellen Natriumlinien bestimmt; nach Maßgabe der Zunahmeder Glühhitze werden sie schwächer nnd verschwinden endlich ganz.Wenn letzteres eingetreten, so bedarf es bloß der Einschiebung einerKochsalz verzehrenden Weingeistflamme, um an Stelle fraglicherHeller Linien zwei dunkle hervortreten zu lassen, die wiederum mitden Streifen v identisch sind, obwohl das Spektrum, dem sie an-