Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
373
Einzelbild herunterladen
 

Kontroversen über die Entstehung der Spektralanalyse.

373

nachzuweisen wären." Viel klarer könnte sich auch ein modernerSchriftsteller auf den ersten Seiten eines der Spektralanalyse ge-widmeten Lehrbegriffes kaum ausdrücken.

Man sieht, die Spektralanalyselag in der Luft", um eineetwas triviale Wendung zu gebrauchen, die jedoch diesmal denSachverhalt vollkommen treffend umschreibt. Kein geringerer alsHelmholtz hat diesem selben Gedanken einen entsprechenden Aus-druck verliehen. Viele andere Forscher sind, so äußert er sich,am Rande der Entdeckung gestanden nnd haben den Schritt überden Rand weg nicht gethan, der uns Epigonen als etwas so selbst-verständliches anmutet, nnd den wirklich zu thun eben doch nurSache des Genies, diesmal sogar des zu gemeiusamem Thun ver-einigten Genies zweier gleich bedeutenden Menschen, sein konnte.Dem Historiker liegt es ob, auch die Borgeschichte einer bedeut-samen neuen Erkenntnis gebührend zu würdigen und den im Vor-spiele als handelnde Personen austretenden Männern das Verdienst,welches der Vorbereitung und Anbahnung des Fortschrittes zu-kommt, zuzuerkennen. Allein vor einer Verwechslung zwischen Vor-spiel und Hauptaktus haben wir uns zu hüten, und daran zuerinnern halten wir insbesondere deshalb für geboten, weil man inEngland anders dachte, wo ja überhaupt eine so bereitwillige An-erkennung auswärtigen Verdienstes, wie sie uns oben bei Tyn-dall begegnete, nicht gerade die Regel bildet. Weil I. Herschel,Brewster, Miller, Swan und mehr in rein theoretischerRichtung Stokes das Studium der von verschiedenen leuch-tenden Körpern gebildeten Spektren unleugbar erheblich geforderthaben, war Tait, dessen ungerechtes Verhalten gegen R. Mayerihm angeführtermaßen eine Berichtigung von Helmholtzscher Seitezuzog, sofort geneigt,die Geburt der Spektralanalyse" auf dasJahr 1850 zu verlegen. Dies steht jedoch ganz im Widerspruchemit den obersten Leitsätzen einer gesunden Historiographie, undgerade wenn G. Stokes (geb. 1819) und W. Thomson nachTaits Ansicht bereits in jenem Jahre eine fundamentale Ent-deckung gemacht hätten, ohne sich dessen auch wirklich bewußt zuwerden, so wäre eben damit ausgesprochen, daß die entscheidendeSchlußhandlung noch ausgeblieben war. Denn als der Mann, in