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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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384
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Z84 XII. Der Werdegang der Spektralanalyse.

ins Auge zu fassen anfing. Schon 1864 zeigte H. C. Dibbits(geb. 1838), daß, wenn zwischen Wasserstoff und Sauerstoff dasbekannte Gewichtsverhältnis besteht, um darans dnrch VerbrennungWasser zu erhalteu, und wenu man eiu so beschaffenes Gasgemengewirklich zum Verbrennen bringt, ein Spektrum der bezeichueteuArt sichtbar wird, aus dem sich die Linie keines der beiden mit-wirkenden Gafe abhebt. Auch für andere gasförmige Verbrennungs-produkte wies der genannte Experimentator das Vorhandenseineines stetigen, von Linien nicht unterbrochenen Spektrums nach.Neues Material brachten Franklands einschlägige Arbeiten,welche insbesondere auch für die seit H. Davy nicht wesentlichgeförderte Theorie der Flamme an sich befruchtend wirkten.Man war gewohnt, als nächste Ursachen des Leuchteus einerKerzen- oder Gasflamme das Aufsteigen fein verteilter, ins Weiß-glühen versetzter Kohlenpartikeln gelten zu lassen, während Frank-lands spektroskopische Anatomie des Flammenlichtes näher zu legenscheint, an die stete Verbrennung gasförmiger, sehr kohlenstoff-reicher Kohlenwasserstoffe zu denken. Ein glühendes, unter sehrhohem Drucke stehendes Gas muß von allen darauf fallendeuStrahlen einige Bruchteile absorbieren, und eben der Umstand,daß der Absorptionsprozeß kein partieller, sondern ein totaler ist,bedingt das Auftreten eines kontinuierlichen Spektrums, welchesnur eben, der stattgehabten Verschlucknng wegeu, kein hell leuchtendes,sondern eiu blasses wird.

F. H. A. Wülluer (geb. 1835), mit dem 1866 eine neueEtappe der Spektralforschung anhebt, bedient sich einer bezeichnen-deren Namengebung, als es diejenige Plückers war; er sprichtvon Banden- und Linienspektren, welch letztere Ausdrücke wirja schon vorhin gebraucht haben, betrachtet die Erscheinungskettedamit aber noch nicht als abgeschlossen, sondern macht auch nochauf jene dritte Art von Spektren aufmerksam, die allerdings,wie wir wissen, von Dibbits bereits entdeckt, in Deutschland aber,wenn überhaupt bekannt, noch wenig beachtet worden war. Erzeigte, daß auch Veräuderuug des Druckes in den einer Geißler-schen Rohre einverleibten Gasen Veränderungen im Spektrumnach sich zieht, ähnlich denen, die man auch bewirken kann, wenn