Vervielfachung der Spektren.
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bestimmten Farbencharakter ganz ebenso durch Molekularschwingnngenzu erklären, wie dies bezüglich der Tonhöhe und der Vibrationen desden tönenden Körper umgebenden Mediums längst geschehen war.Die Atome eines chemischen Elementes s. haben eine von der desElementes d verschiedene Schwere, und deshalb wird der Schwin-gungsznstand, in den der Lichtäther durch das Glühendwerdeneines beliebigen Elementes versetzt wird, ein für a. wie sür bcharakteristischer, in keinem anderen Falle vorkommender sein; daßdas Atom sich im gasförmigen Zustande befinde, ist dabei voraus-gesetzt. Glühende Gase senden homogenes Licht aus, uudihnen entspricht ein sogenanntes Linienspektrum. Einsolches gewährt die Möglichkeit, das maßgebende Element sogleichherauszufinden, wogegen beim Bandenspektrum an die Licht-schwingungen von Atomenkomplexen oder Molekülen, wie siein die chemischen Verbindungen eingehen, zu denken ist. SolcheErwägungen, teilweise auch durch ältere Versuche angeregt, riefeneine Reihe neuer und über das bisherige Ziel hinausgehenderExperimentalstudien hervor.
Unter ihnen sind vorzugsweise diejenigen von Plücker,. dersich ja seit 18S9 selbständig mit den Spektren stark verdünnterGase befaßte, als methodisch bedeutuugsvoll zu nennen. Aus ihueu,au denen auch Hittorf teilnahm, erschloß sich eine unerwartete,anscheinend manche der bisherigen Resultate in Frage stellendeErkenntnis: Eiuundderselbe Stoff kann unter verschiedenenUmständen auch verschiedene Spektren liefern. Für Wasser-stoff, Stickstoff und — natürlich verdampften — Schwefel wurdedas Doppelspektrum zuerst dargestellt, aber in Bälde folgten auchandere Körper nach. Ohne auf das technische Detail einzugehen,welches bei der Erzeugung der einen und anderen Gattung maß-gebend ist, wollen wir nnr soviel bemerken, daß bei niedrigererTemperatur ein — nach Plücker so benanntes — Spektrumerster Ordnung und bei sehr hoher Temperatur ein Spektrumzweiter Ordnung entsteht, nnd daß somit durch Wärmezufuhrjenes in dieses umgewandelt werden kann. Ein anderes Unter-suchuugsfeld wurde erschlossen, als man die kontinuierlichenSpektren, in denen keine bestimmten Linien wahrnehmbar sind,